|
|
|
Ist die Epoche der
abendländischen Kunst, die in Frankreich um etwa 1000
einsetzte und den normannischen Baustil einschließt. In Deutschland folgte sie
auf die ottonische Kunst (auch als Frühromanik bezeichnet) und begann etwa mit
der Herrschaft der Salier (1024).
Zur Zeit der Spätromanik der staufischen Kunst (1150-1250)
in Deutschland und Italien. In Frankreich entwickelte sich bereits die
Frühgotik. Die Spätphase der deutschen Romantik mit spätromanischen und
frühgotischen Stilformen wird als „Übergangsstil" bezeichnet. Die
Bezeichnung Romanik wurde, in Anlehnung an den Begriff „romanische
Sprachen", zuerst um 1820
in Frankreich verwendet, sie verweist auf die Übernahme einzelner Bau- und
Formelemente aus der römischen Kunst. Die Wurzeln liegen außer in der
römischen Spätantike aber auch im byzantinisch-syrischen und im islamistischen
Bereich.
Baukunst:
Die Kirchenbauten der Romanik sind meist Basiliken. Die einzelnen Teile,
Schiffe, Vierung, Querhaus und Chorpartie, sind klar gegliedert. Aus der
Gruppierung einzelner horizontaler und vertikaler Bauteile erwächst der als
einheitliche Masse konzipierte Baukörper, besonders deutlich im Außenbau.
Doppelturmfassaden im Westen (Caen, Saint-Étienne, 1064-77;
Cluny III, 1089
ff.), häufig Vierungstürme oder Türme am Ost-Abschluß (Dom in Speyer, um 1030
ff., und Worms, um 1120/25
ff.; Abteikirche von Maria Laach, 1093
bis um 1230)
sind bestimmend. Die Wölbung herrscht seit dem späten 11. Jh. In Deutschland,
Frankreich und Oberitalien vor: Kreutgrate (Dom in Speyer, um 1080
bis um 1106),
später Kreuzrippen auf mächtigen Pfeilern und Säulen, zum Teil im Wechsel
(Stützenwechsel). In Frankreich auch Tonnen (Burgund und Poitou) oder Kuppeln
(Aquitanien). Das gebundene System mit ausgeschiedener Vierung ist weit
verbreitet. In Deutschland kommt es relativ lange Zeit zur Verdoppelung von
Querhaus und Chor (Dome in Speyer, Worms und Mainz). Über den Arkaden befindet
sich häufig ein Emporengeschoss (Auvergne, Normandie und England) oder ein
Triforium. Im Außenbau trägt die Zwerggalerie zur Strukturierung des
Mauerwerks bei, besonders am Mittelrhein. Die plastische Durchformung der
einzelnen Bauglieder führte zu zunehmender Gliederung der Wände durch
Vorlagen. Säulenbasen, Fensterlaibungen, Portale und Kapitelle werden durch
Abstufungen, Profile und Schmuck nuanciert. Andere Tendenzen vertraten die
Reformorden. Die Zisterzienser entwickelten eigene Bauregeln und lehnten
plastischen Schmuck ab (Zisterzienserbaukunst). Sondergruppen bildeten auch die
Kirchen der burgundischen Bauschule, der Hirsauer Bauschule und der
provenzalischen Bauschule. In England fasste die Romanik im anglonormannischen
Stil Fuß (normannische Kunst). In Italien zeigte sich eine stärkere Bindung an
die Antike und byzantinische Einflüsse (San Marco in Venedig, 11. Jh.).
Zentralräume, flache Decken, Schaufassaden ohne Türme (Arezzo, Santa Maria
della Pieve, 12. und 13. Jh.) und die Inkrustationsarchitektur (San Miniato al
Monte in Florenz, 1207
vollendet) sind bezeichnend.
Neben der kirchlichen Baukunst besteht eine bedeutende, weniger gut erhaltene
Profanarchitektur: staufische Kaiserpfalzen (Gelnhausen, 1180
vollendet; Castel del Monte), Burgen und Stadtanlagen mit zahlreichen Türmen
(als Teil des Verteidigungsringes oder als Wohntürme z. B. Regensburg und San
Gimignano).
Plastik:
Diese steht in engem Zusammenhang mit der Sakralarchitektur. Neben das Relief
(Bauplastik und Kleinplastik) traten im 11. Jh. Großplastiken (Kultbilder wie
Madonnen, Kruzifixe und Kreuzigungsgruppen). Später kamen vereinzelt profane
Plastiken dazu (Braunschweiger Löwe, 1166).
Während man in Deutschland an die Kleinplastik und an die Malerei der
Vorromanik anknüpfte, entwickelte sich in Südfrankreich, Nordspanien und
Norditalien seit der zweiten Hälfte des 11. Jh. in den Gewändefiguren der
Portale ein neues Verständnis für die Plastizität des Körpers. Die Lösung
der Figur aus der Fläche, die zunehmende körperliche Gestaltung sind
Voraussetzungen für die Entstehung der gotischen Skulptur. In den
Tympanonreliefs wird häufig das Jüngste Gericht dargestellt (Vézelay,
Sainte-Madeleine, um 1130).
In den oft sehr reich skulpturierten Kapitellen erscheint neben erzählenden
Szenen auch Phantastisches (Tiere und Fabelwesen, Teufelsfratzen), ebenso am
Außenbau (Dämonen, besonders als Wasserspeier). Zu den plastischen Werken im
Innenraum gehören u. a. auch Chorschranken und Taufsteine. Neben diesen Werken
der Steinskulptur und den meist hölzernen Kultbildern (in farbiger Fassung oder
noch mit Goldblech verkleidet) waren, vor allem im Rhein-Maas-Gebiet
(Maasschule), die Goldschmiedekunst (Reliquienschreine) und die
Elfenbeinschnitzerei von großer Bedeutung.
Malerei:
Vorherrschend war die Wandmalerei. Die Kirchen waren mit biblischen Szenen und
Heiligenlegenden ausgemalt. Zyklen sind nur zum Teil erhalten: u. a. San
Clemente de Tahull und Santa Maria de Tahull (beide um 1123),
Saint-Savins (frühes 12. Jh.), in Italien u. a. in der Abteikirche San Pietro
in Valle in Ferentillo, bei Terni (spätes 12. Jh.), Benediktinerklosterkirche
Prüfening bei Regensburg (zwischen 1130
und 1160),
Doppelkapelle in Bonn-Schwarzrheindorf (vor 1151),
Burgkapelle Hocheppan (Ende 12. Jh.). In Italien tritt das aus der
byzantinischen Kunst übernommene Mosaik z. T. an die Stelle der Wandmalerei
(Venedig, San Marco; Palermo, Capella Palatina des Palazzo dei Normanni, 1131-43;
Santa Maria in Trastevere in Rom, um 1140).
Eine überaus reich bemalte Holzdecke ist in Zillis (Schweiz) erhalten (St.
Martin, um 1160).
Tafelmalerei in Form von Retabeln und Antependien ist erst aus dem 12. Jh.
erhalten, ihre Anfänge liegen sicher früher, wie auch literarische Quellen
bezeugen. Die Buchmalerei hatte einen ihrer Höhepunkte im 11./12. Jh.:
ganzseitige Miniaturen in Evangeliaren, Heiligenviten, Bibelhandschriften,
Psalterien usw. Wandteppiche z. T, großen Formats (Bayeux-Teppich,
Abrahamteppich, zwischen 1165
und 1190)
zeigen die gleiche strenge Stilisierung wie Wand- und Buchmalerei. Von der sehr
bedeutenden Glasmalerei sind nur wenige Beispiele erhalten, u. a. die
Prophetenfenster im Augsburger Dom (1. Hälfte des 12. Jh.).
|