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 Preußische Reformen

 Heeresreform:

  • Reform des Heeres nach der Niederlage gegen Napoleon notwendig
  • wesentlichen Verdienst: Gerhard Johann von Scharnhorst + August Neidhart von Gneisenau
  • gemeinsames Ziel: „..., den Staat auf die von der preußischen Nation getragene Armee zu gründen."
  • Gneisenau blickte weiter: neues Preußen sollte auf dem „dreifachen Primat der Waffen, der Wissenschaft und der Verfassung" stehen
  • Abschaffung Prügelstrafe
  • Adelsprivileg für Offizierslaufbahn fiel
  • durch Kooptationsprinzip blieb Offizierskorps im wesentlichen in Händen des Adels
  • adlige Kadettenschulen à grundsätzlich bestehen
  • Armee moderner (in Taktik und Führung)
  • 1809 Gründung Kriegsministerium (Scharnhorst dominierend)
  • Hermann von Boyen Kriegsminister (seit 1814)
  • ß Schöpfer allgemeine Wehrpflicht (September 1814)
  • durch Krümpersystem (vorzeitige Beurlaubungen und Rekrutierungen) Erhöhung der Präzisionsstärke über Stärke von 42000 (Festlegung Napoleons)
  • in Landwehr und Landsturm organisiert „Volk der Waffen", erbrachten Bürger und Bauern Beweis patriotischer Zuverlässigkeit während der Befreiungskriege
  • Landwehr Errungenschaft des Bürgertums
  • alle Wehrpflichtigen nach 3 ½ Jahren und 2 Jahre Reserve bis zum 32. Jahr Mitglied der Landwehr 1. Aufgebots, bis 39. Jahr zweiten Aufgebots + im Kriegsfall Mitglied des Landsturms bis 50 Jahre
  • Konservative und Adel missbilligten Landwehr (selbständige Institution)
  • mittlerer Schulabschluss ermöglichte Ableistung eines ½ jährigen freiwilligen Dienstes mit anschließender Qualifikation zum Landwehroffizier
  • Kampf gegen Landwehr war später Kampf gegen Verbürgerlichung des Heeres und für Erhalt des traditionellen Königsheeres

 

Bildungsreform:

  • Verlangen nach Bildungsreform nicht nur in Preußen
  • Besondere an preußischer Bildungsreform: einzigartige Verbindung von Nationalerziehung, Neuhumanismus und Idealismus
  • Unterrichtsmethoden des Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi in Preußen zuerst von Ludwig Natorp rezipiert
  • zuerst in Elementarschulen und Lehrausbildungsstätten eingeführt
  • wie Philosoph Fichte betonte auch W. von Humboldt den krassen Gegensatz zum Nützlichkeitsdenken der Aufklärung als Ziel von Bildung und Unterricht ihren allgemeinen, nicht fachbezogenen Charakter:
  • Bildung zweckfrei
  • dient Formung des Individuums zur Persönlichkeit
  • durch Gesetze und Verordnungen Unterwerfung verschiedener Bildungseinrichtungen unter einheitliche Regelungen:
  • Gliederung des Schulwesens
  • Einführung bzw. Neuordnung staatlicher Prüfungen
  • Abitur als generelle (ab 1834 einzige) Zugangsmöglichkeit zum Universitätenbesuch nach der Vorschrift von 1788, neugeordnet 1812
  • Lehrbefugnis an den Universitäten
  • Verbeamtung von Lehrern und Hochschullehrern
  • Bildungsreform zielte auf Verdrängung von Standesvorrechten
  • Zugang zu Staatsämtern und Zusammensetzung von Gesellschaftsschichten abhängig von staatlichen Prüforganen und Ausbildungseinrichtungen
  • Staat des 19. Jh., ein auf Bildung gegründeter Staat
  • Kulturnation des 18. Jh., auf diesem Weg zur Staatsnation des Zukunft

 

Gesellschaftsreform

  • Freiherr vom und zum Stein 1807-1808
  • von Hardenberg 1808-1822
  • reformierten Gesellschaftsordnung und Staatsverwaltung
  • Ziel: alle Preußen „durch Übung, Teilnahme und Mitwirkung bei den Nationalangelegenheiten an den Staat zu knüpfen", aus „Untertanen" am Schicksal des Staates interessierte „Staatsbürger" zu machen
  • 1. Niederreißung der Standesschranken
  • geschah 1807 durch erlassenen Edikt „aus erleichterten Besitz und den freien Gebrauch des Grundeigentums betreffend"
  • gestattete Bürgern bäuerlichen Grund zu erwerben und in Bauernstand überzutreten
  • Adlige durften ihr Land veräußern und bürgerliche Gewerbe betreiben
  • brachte erbuntertänigen (leibeigenen) Bauern persönliche Freiheit nach Martinitag 1810
  • zu leistende Abgaben und Arbeitspflicht abgelöst und Freizügigkeit gewährt
  • Beendung des Gesindezwangsdienst der Kinder
  • „Regulierungsgesetz" Hardenberg’s: beschränkte Reform auf größere Bauern, die Land an Gutsherren abtreten mussten, da Rebellion des Adels
  • entmutigt Verkauf ihrer Höfe (Bauern)
  • Ende Bauernbefreiung + Ausdehnung des Großgrundbesitzers
  • à Adel gestärkt

 

[Quellen: Brockhaus 17/24 S. 476 ff. 1994/BRD; „Deutsche Geschichte" von den Anfängen bis zur Wiedervereinigung S. 360 ff. 1991/BRD; Zeiten und Menschen S. 88 ff. 1978/BRD]

 

Preußische Reformer (im Kurzporträt):

Stein, Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum, preuß. Staatsmann, * 1757, † 1831;
wurde 1807 leitender Min. in Preußen, das er durch innere Reformen erneuerte: Aufhebung der bäuerl. Erbuntertänigkeit, Städteordnung, einheitl. Verw. Als Gegner Napoleons I. musste er Ende 1808 zurücktreten. 1812/13 war er Berater des russ. Zaren Alexander I. 1819 regte er die Gründung der »Gesellschaft für ältere dt. Geschichtskunde« an.

Hardenberg, Karl August Fürst v., preuß. Staatsmann, * 1750, † 1822;
1804/05 und 1807 Außenmin., seit 1810 Staatskanzler; führte die Reformen des Freiherrn vom Stein fort.

Scharnhorst, Gerhard von, preuß. General, * 1755, † 1813
(nach Verwundung); leitete seit 1807 das Kriegsministerium, wurde der Schöpfer des preuß. Volksheers auf der Basis der allg. Wehrpflicht; wurde 1813 Generalstabschef Blüchers.

Gneisenau, August Graf (seit 1814) Neidhardt v., preuß. Generalfeldmarschall (seit 1825), * 1760, † 1831;
hielt 1807 die Festung Kolberg gegen die Franzosen; Mitarbeiter G. v. Scharnhorsts, Generalstabschef G. L. Blüchers, entschied den Sieg bei Waterloo (Belle-Alliance) 1815.

Humboldt, Wilhelm Freiherr v., dt. Gelehrter, Staatsmann, * 1767, † 1835;
eng befreundet mit Schiller und Goethe, war 1809/10 Leiter des preuß. Unterrichtswesens und schuf die Univ. Berlin; einer der Führer des Neuhumanismus, Sprachforscher.

 

 

 

Autor: keine Angabe  |  Quelle: www.geschi.de

 




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