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 Preußische Reformen und das Ende Napoleons

Preußische Reformen:
Die preußischen Reformen sind politische-, militärische- und gesellschaftliche Reformen, die unter der Leitung des Ministers Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein und dem Fürsten von Hardenberg nach dem Zusammenbruch von 1806/07 in Preußen die Voraussetzung für den Übergang vom absolutistisch regierten Stände- und Agrarstaat zum bürgerlichen Verfassungs-, National- und Industriestaat des 19 Jahrhunderts schufen. Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein war 1804-1807 preußischer Finanz- und Wirtschaftsminister und versuchte in dieser Zeit den Staat für die Auseinandersetzung mit Napoleon dem 1. vorzubereiten. Von September 1807 bis November 1808 war er leitender Minister in Preußen, wo er grundlegende Neuerungen durchsetzte. Diese waren die Bauernbefreiung und die Städteordnung. Die preußischen Reformen findet man auch teilweise heute noch in unseren Reformen wieder. Sie dienten als Grundlage für unsere heutigen Reformen, da sie auch damals schon Justiz-, Finanz-, Außen- und Innenminister hatten. Der Kriegsminister in den preußischen Reformen hat bei unseren Reformen nur einen anderen Namen bekommen. Bei uns ist dies der Verteidigungsminister. Durch die Umgestaltung der Staatsverwaltung, gewannen die Beamten auf Kosten des Königs mehr und mehr an Macht, wodurch sie allerdings auch wirksamer arbeiten konnten. Dies war auch nötig, denn viele von ihren Vorhaben trafen auf starken Widerstand. Bei der Bauernbefreiung von 1804 von den Staatsgütern (das heißt: sie mussten keine Abgaben mehr an den Staat leisten) die 1807 auf den Adelsbesitz ausgedehnt wurde. Das heißt jeder Bauer konnte jetzt Beruf und Wohnort selbst auswählen, die Adeligen jedoch waren gegen diese Regelung. Wenn ein Bauer jetzt bei seinem Beruf blieb, musste er keine Abgaben und Dienste mehr an seinen Gutsherren zahlen. Doch seit 1811 galt: Dass, wenn man seinen Wohnort wechselte, an den ehemaligen Gutsherren eine Entschädigung zu zahlen war. Dadurch zog sich die Ablösung der Dienstpflichtigen über Jahrzehnte hin und stürzte so viele Bauern in Schulden und somit in den Ruin. Mit der Befreiung der Bauern kam auch die Abschaffung der Standesschranken auf wirtschaftlichem Gebiet. Das heißt: Jeder - ob Adliger, Bürger oder Bauer - konnte jetzt Landgüter erwerben und auch wieder verkaufen, vorher hatte der Besitz von Landgütern Adel vorausgesetzt. Seit 1807 konnte jeder jeden Beruf ergreifen und ausüben.
Damit Gewerbefreiheit herrschte wurden 1810 die Zünfte aufgehoben. Die Reformer wollten also die Ständegesellschaft auflösen. Sie wünschten sich wirtschaftliche Freiheit, Konkurrenz, Erfolg für jeden einzelnen und dabei Wohlstand für alle. Sie bauten auf das System des wirtschaftlichen Liberalismus, wie wir dies schon aus der Französischen Revolution kennengelernt haben. Dadurch sollte Preußen wieder an Kraft gewinnen. (Liberalismus = die Denkrichtung, die eine freie Entfaltung des Individuums fordert und staatliche Eingriffe auf ein Minimum beschränkt sehen will.) Jeder sollte jetzt mehr am Staat teilhaben können als er es bisher konnte. Die Bauernbefreiung begann 1804 und wurde erst im Jahre 1850 abgeschlossen.
Die Städteordnung von 1808 verfügt: Dass jeder Stadtbewohner, der über das Bürgerrecht und ein bestimmtes Einkommen verfügt, die Stadtverordneten wählen konnte. Der von den Stadtverordneten gewählte Magistrat der Stadt, schlug dann drei Kandidaten für den Bürgermeisterposten vor, von denen der König einen auswählte. Jedoch verfügte nur ein geringer Teil der Stadtbewohner über das  Bürgerrecht. Stein wollte, dass die politische Mitbestimmung für den ganzen Staat gelten sollte und nicht nur für Leute mit Bürgerrecht. Es sollte eine "Nationalpräsentation" gebildet werden. Damit eine bessere Zukunft für junge Leute gewährleistet war, setzten Stein und andere Reformer auf Erziehung und Unterricht. Jede Geisteskraft sollte von innen heraus und nicht nur einseitig entwickelt werden. Es wurden Volksschulen gebaut, Lehrerbildung energisch vorangetrieben, so das in ganz Preußen die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde. An Gymnasien führte man das Abitur ein, durch das man für ein Studium an einer Universität berechtigt war.  Damit sich jeder frei bilden konnte, wurden Forschung und Lehre an Universitäten von staatlichen Eingriffen verschont. Eine Heeresreform beseitigte die größten Übelstände des alten stehenden Heeres, so wurde unter anderem die Prügelstrafe abgeschafft. Jeder Bürgerliche konnte jetzt Offizier werden und die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt. Die Adeligen aber sträubten sich gegen diese Reformen und schrieben einen Brief an den König, in dem sie sagten, dass die Unteren und Ungebildeten nur noch sich und keinen anderen über sich sehen würden, da der König ihnen zu fern stand. Doch dem König blieb bei der Notlage seines Staates nichts anderes übrig als sich seine Reformbeamten zu stellen. Man führte in den zu Frankreich gehörenden linksrheinischen Gebieten die französischen Gesetze ein. Die Umstellungen vollzogen sich früher, schneller und radikaler. In Bayern, Baden, Hessen und in anderen Rheinbund- Staaten führte man ähnliche Reformen wie in Preußen durch. Dort ging manches allerdings langsamer wie z.B. die Aufhebung der Zünfte, allerdings kam man mit manchen Sachen weiter als in Preußen z.B. die Einführung von gesamtstaatlichen Landtagen (Volksvertretungen), deren Einrichtung in Preußen gänzlich scheiterte. In anderen deutschen Staaten ( z.B. Österreich und Mecklenburg) veränderte sich fast nichts.

Beginn der Nationalbewegungen und das Ende Napoleons:
Nicht nur Politik der Regierungen trieb den Wandel voran, auch in Teilen der Bevölkerung begann sich neues zu regen. Viele deutsche Bürger hatten den Einfluss der Franzosen zunächst gern gesehen, denn sie versprachen neue Freiheiten und eine Reform überlebter Verhältnisse. Doch bald wurde die harte Herrschaft Napoleons, seine hohen Steuern und seine harte Bürokratie, als Unterdrückung spürbar. Nun erhob sich gegen die Franzosen ein "Deutscher Nationalgeist", was neu war. Gebildete entwickelten die Vorstellung, dass bewegenden Kräfte der Politik die Nationen seien. Die Franzosen hatten ja bewiesen, wozu ein von seiner nationalen Sache überzeugtes Volksheer im Stande war. Es entstand ein deutscher Patriotismus, nach dem Beispiel der Franzosen, aber gleichzeitig auch gegen sie. Manchen deutschen Gebildeten schwebte schon zu dieser Zeit ein deutscher Einheitsstaat als Fernziel vor, ohne die staatliche Zersplitterung Deutschlands. Aber vor allem lehnten sie Napoleons Fremdherrschaft ab und sie strebten nach dem Krieg gegen Frankreich, nach der "nationalen Erhebung". Seit 1808 regten sich auch andere Kräfte in Europa gegen Napoleon. Die Spanier bekämpften ihn mit ihrer "Guerilla - Taktik": Dies waren jedoch nur "Nadelstiche" gegen die Anzahl überlegenen Truppen. Unter Ausnutzung der besseren Ortskenntnisse folgten nach einer Zeit in der sie untergetaucht waren, dann neue Aktionen. Französische Generale antworteten darauf mit Terror, was die Besatzer um so verhasster machte. In Österreich bewaffneten sich die Bauern, deren Anführer Andreas Hofer 1810, von den siegreichen Franzosen in Mantua erschossen wurde. In Norddeutschland gab es auch Erhebungsversuche. Der preußische Reformer vom und zum Stein, musste vor Napoleon fliehen, weil die Franzosen einen Brief von ihm abgefangen hatten, in dem von Erhebungsplänen die Rede war. Der Niedergang Napoleons begann, als er gegen Russland Krieg führte. Seine "Große Armee", mit der er 1812 Russland angegriffen hatte, umfasste 700.000 Mann. Es waren alles Soldaten aus seinem gesamten Herrschaftsgebiet, diese Soldaten waren nicht gerade begeistert für Frankreich kämpfen zu müssen. Der Feldzug verlief zunächst wie jeder andere; unaufhaltsames vordringen. Aber Napoleon rechnete nicht mit den Verbündeten der Russen: der riesigen Weite des Landes, der kalten Jahreszeit und erst recht nicht mit dem Patriotismus der Bevölkerung. Die Russen wichen zunächst zurück, räumten ihre Vorratslager, so das sich die Franzosen kaum verpflegen konnten. Als Napoleon dann in Moskau ankam, brannten die Russen die Stadt ab. Nachschub traf auch keiner ein, da alle Verbindungswege von Partisanen kontrolliert wurden - nach Spanien war dies keine neue Erfahrung für Napoleon. So blieb Napoleon nur noch eins übrig, er musste sich zurückziehen. Der Rückzug wurde allerdings zu einer einzigen Katastrophe. Soldaten erfroren oder ertranken beim Übergang über die Beresina. So kehrten von einst 700.000 Mann gerade einmal 5.000 Mann zurück. Auf das Drängen seiner Offiziere und Beamten schloss sich der preußische König nun auch dem Krieg gegen Napoleon an. Er rief zum Kampf auf und versprach eine politische Vertretung des Volkes. Diesem Aufruf folgten viele begeisterte junge Männer mit der Hoffnung, dass nach dem Krieg ein freiheitlicher deutscher Nationalstaat entstehen würde. Die Endscheidung dieser Völkerschlacht viel am Oktober 1813 in Leipzig, in der russische, englische, preußische, österreichische, und schwedische Truppen die Franzosen besiegten. Napoleon musste abdanken und wurde nach Elba verbannt. 

Agrarreformen in Preußen:
Aus der Rigaer Denkschrift, 12. September 1807, von Karl August von Hardenberg, preußischer Minister, 1807 wegen seiner antinapoleonischen Ansichten entlassen, seit 1810 preußischer Staatskanzler geht hervor, dass die Begebenheiten die seit einigen Jahren für Staunen und im kurzsichtigen Auge auch für fürchterliches Übel sorgen, mit dem großen Weltplan einer weisen Vorsehung zusammenhängen. Der Staat dem es gelingt sich ohne gewaltsame Zuckungen und ohne die Weisheit der Regierung in diesen Weltplan hineinzuarbeiten, der genießt große Vorzüge. Durch die Französische Revolution bekam Frankreich einen neuen Schwung. Alle Kräfte wurden mobilisiert und das Elend zerstört. Für den gegenwärtigen Zeitgeist, waren damals, die Weisheit der Regierung und Demokratische Grundsätze einer monarchischen Regierung die angemessenen Formen. Man braucht Macht um selbständig zu sein, also braucht Preußen ein schlagfertiges Militär um sich wieder auf zu rappeln. Der vernachlässigte und gedrückte Bauernstand müsse Gegenstand der Sorgfalt werden und die Erbuntertänigkeit müsse per Gesetz verboten werden.
Aus einer Denkschrift vom November 1808 von Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, preußischer Minister, 1808 auf Weisung Napoleons entlassen, weil er an Plänen einer Erhebung gegen Frankreich beteiligt war, geht hervor, dass es ihm als nötig erschien, dass der höchsten Gewalt ein Mittel zu geben um die Wünsche des Volkes kennenzulernen. Sein Plan war, dass jeder Bürger ein Repräsentationsrecht bekommen sollte. Durch die Verbindung des Adels mit den anderen Ständen wurde die Nation verkettet, was der allgemeinen Pflicht zur Verteidigung des Vaterlandes dienen sollte.
Aus dem Edikt vom 9.Oktober 1807, mit dem in Preußen die Reform der Agrarwirtschaft eingeleitet wurde, geht hervor, dass nach eintreten des Friedens, der Wohlstand der Untertanen König Friedrich Wilhelms gesunken sei, so dass erwogen wurde, alles zu entfernen was den einzelnen hinderte Wohlstand zu erlangen, den er nach dem Maße seiner Kräfte zu erreichen fähig war. Daher wurde folgendes verordnet: §1. Freiheit des Güterverkehrs. Jeder Einwohner unserer Staaten ist zum eigentümlichen und Pfandbesitz unbeweglicher Grundstücke aller Art berechtigt, ohne dass der eine und der andere zu irgendeinem Gütererwerb einer besonderen Erlaubnis bedarf. §2. Freie Wahl des Gewerbes. Jeder Edelmann ist ohne allen Nachteil seines Standes befugt, bürgerliche Gewerbe zu betreiben und jeder Bauer ist berechtigt, aus dem Bauer- in den Bürger- und jeder Bürger aus dem Bürger- in den Bauernstand zu treten. §12. Mit dem Martinitage (11. November = St.Martin) 1810 hört alle Gutsuntertänigkeit auf. Nach dem Martinitage 1810 gibt es nur freie Leute.
Aus einer Eingabe der Stände des Lebusischen, Storkow- und Beeskowschen Kreises (Neumark) vom 9.Mai 1811 an den preußischen König zu den Reformmaßnahmen, geht hervor, dass der Grundsatz, auf welchem die Theorien gebaut sind, die Willkür und das Bedürfnis des Augenblicks, so ist ihre Tendenz:
1. Gleichmachung aller Stände: 
Eine Monarchie sei ohne den Mittelstand zwischen König und Volk völlig unmöglich, da der Mittelstand dafür sorgt, dass das Volk leichter zu regieren ist und die Anknüpfung an den Staat größer ist. So kann die Unzufriedenheit, ob im Mittelstand oder im Volk, keinem Regenten Sorgen bereiten. 
2. Mobilisierung des Grundeigentums:
Es soll alles gekauft und verkauft werden und in den Handel und Wandel kommen, doch gerade der Grundbesitz kettet am festesten an den Staat. Der Kaufmann ist der, der sich in jedem Staat gleichwohl fühlt. Diese doppelte Tendenz kommt in allen Verordnungen und Schriften vor. Dadurch gibt man den Besitzungen nicht mehr Namen, der ihnen zukommt, weil man ihn für zu gut für diese Leute hält. In dem Entwurf über das Edikt der bäuerlichen Verhältnisse, wird von großen ländlichen Besitzungen gesprochen, die normalerweise Rittergüter sind. Der mit seinem Besitz handelnde Eigentümer ist durch diese Regelung vom Staat nicht mehr abhängig und kann so, dort hin gehen wo er das meiste Geld verdient. Dadurch wird alles zur reinen Spekulation und durch den Verfall des Ackerbaus, wird eine allgemeine Nahrungslosigkeit ausgelöst. Die Gleichmachung der Stände macht die unteren, ungebildeten, trotzig und sie sehen dadurch nur noch sich und den Wert ihrer Person, da ihnen der König zu fern steht. Dazu kommt noch de notwendige Wechsel der Systeme in der Administration (Regierung). Alles dies fördert den bürgerlichen Egoismus, eine politische Irreligiosität, die den Staat wie eine Zwangsanstalt sieht und sich so schnell wie möglich von ihm losreißen will, um die Gewalt lieber selbst zu üben, als sie zu erdulden.

 

 

 

Autor: keine Angaben  |  Quelle: www.geschi.de

 




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