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| In
Erwartung der Invasion: Politische und militärische Gegenmaßnahmen |
1. Einleitung:
Über das Thema der alliierten Invasion in der Normandie gibt es eine kaum
überschaubare Fülle von Publikationen, jedoch kann bei genauerer
Beschäftigung mit dem Thema festgestellt werden, dass über die deutschen
Abwehrvorbereitungen der Invasion nur sehr wenig darstellende Literatur und
gedruckte Quellen vorhanden sind.
Bei der Darstellung der deutschen Abwehrvorbereitungen soll es jedoch nicht
darum gehen, die Bedeutung der einzelnen Befestigungswerke und Waffensysteme zu
erläutern. Vielmehr soll ein Einblick in die grundsätzliche Abwehrkonzeption
und deren Entwicklung bis zum Tag der Invasion gegeben werden. Dabei sind
besonders die meist unterschiedlichen Standpunkte der Befehlsträger im Westen
von besonderem Interesse. Letztendlich stellt sich die Frage, inwieweit das
Gelingen der Invasion nur auf die alliierte Materialüberlegenheit
zurückzuführen ist, oder ob etwa die deutsche Führung und Hitler selbst
maßgeblich an der Niederlage beteiligt waren.
An diesem Punkt stellt sich auch die Frage nach den politischen
Abwehrvorbereitungen, die aber in diesem Fall keinesfalls unter normalen
Gesichtspunkten betrachtet werden können. Außenpolitische Aktivitäten des
Deutschen Reiches, insbesondere hinsichtlich einer alliierten Invasion, waren
allerhöchstens in Form von Unbesiegbarkeitspropaganda vorhanden. Allerdings
können hier im weiteren Sinne die entscheidenden Eingriffe Hitlers in den Planungsprozess
der Abwehrvorbereitungen nicht nur als militärisch, sondern
auch als innenpolitisch relevant eingestuft werden.
Trotz des Versuches bei der Darstellung der deutschen Abwehrvorbereitungen die
übergeordneten Zusammenhänge der Planungs- und Realisierungsphasen in den
Vordergrund zu stellen, war es manchmal nötig, um exemplarisch zu arbeiten,
sich auf die Ebene konkreter Militärgeschichte zu begeben. Es sei auch darauf
hingewiesen, dass gute Publikationen zu diesem Thema wie Dieter Oses „Entscheidung
im Westen" vor allem auf ungedruckte Quellen des
Bundesarchivs-Militärarchivs Freiburg verweisen, deren genaue Analyse den
Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte.
2. Anfänge deutscher
Abwehrkonzeptionen im Westen: Kompetenzstreitigkeiten:
Nach dem erfolgreichen Abschluss
des Westfeldzuges sah sich die deutsche Wehrmacht im Westen vor
völlig neue Aufgaben gestellt. Die amphibische Landungsoperation „Seelöwe"
mit dem Ziel der Eroberung Englands und die neu hinzugekommene Aufgabe der
Küstenverteidigung stellten neue Anforderungen an Heer und Marine. Die
Kriegsmarine führte unter Einbeziehung der neu eroberten Stützpunkte den
Seekrieg gegen England fort, während die deutsche Luftwaffe die „Luftschlacht
um England" eröffnete. Schon Mitte Juli 1940,
am selben Tag, an dem die Führerweisung 16 „über die Vorbereitungen einer
Landungsoperation gegen England" erschien, erließ der Oberbefehlshaber des
Heeres einen Befehl zur Durchführung des Küstenschutzes an der holländischen,
belgischen und französischen Küste. Damit begann ein jahrelanges Ringen um die
Konzeption der Küstenverteidigung im Westen.
Als Ende Sommer 1940
abzusehen war, dass das Deutsche Reich die Lufthoheit über die britischen
Inseln nicht erringen konnte und damit die Invasionspläne hinfällig wurden,
verlegte Hitler mit der Führerweisung Nr. 17 „Die Führung des Luft- und
Seekrieges gegen England" die Insel an die Peripherie der deutschen
Unternehmungen. Um das Oberkommando des Heeres für den bevorstehenden Feldzug
im Osten zu entlasten, wurde Ende Oktober 1940
der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A, Generalfeldmarschall Gerd von
Rundstedt, zum Oberbefehlshaber West ernannt. Zusätzlich wurde ihm die
Heeresgruppe D in allen Fragen des Einsatzes und der Verwendung der Truppe,
nicht aber auf allen anderen Gebieten wie Ausbildung, Organisation und
Gerichtsbarkeit, unterstellt. Der Befehlshaber der Heerestruppe in den
Niederlanden unterstand ebenfalls seinem Befehl, allerdings nur in territorialer
Hinsicht und bei einer überraschenden Bedrohung. Diese recht unklare
Befehlslage sollte nur den Anfang einer Reihe von Kompetenz- und
Konzeptionsstreitigkeiten bilden, die sich bis über den Invasionstag hinaus
entscheidend negativ für die deutsche Verteidigung auswirkten.
Schon im November 1940
stellte der Oberbefehlshaber West von Rundstedt fest, dass die Abwehr
feindlicher Angriffe durch die fehlende Organisation der oberen und unteren
lokalen Führung deutlich erschwert sei. Als im März 1941
die Vorbereitungen für das Unternehmen „Barbarossa" zu Verlegungen von
in Frankreich stehenden Truppen in den Osten führten, schien eine neue Verteidigungsstrategie
für die verbleibenden Kräfte nötig. Der zu diesem Zweck
vom Oberkommando der Wehrmacht ausgegebene Befehl sollte eine einheitliche
Befehlsführung im Westen ermöglichen. Er sollte die Ausrichtung aller Kräfte
der Wehrmacht auf die Abwehr eines alliierten Landungsversuches regeln. Obwohl
jedoch damit erkannt wurde, dass die Befehlsverhältnisse einer ausführlichen
Klärung bedurften, kam es zu keiner zufriedenstellenden Konzeption. Aufgrund
von massiven Protesten der Marineleitung, die sich gegen eine Unterordnung unter
das Heereskommando, auch in Einzelfällen, sträubte, wurde ein kompliziertes
Kompetenzmodell zur Grundlage der Westverteidigung gemacht. Die
wirklichkeitsfremde, theoretisch konstruierte Unterscheidung zwischen Marine-
und Heeres-Küstenverteidigung wurde damit zur eigentlichen Grundlage der
Zusammenarbeit zwischen Heer und Marine an der Küste. Die zur
Küstenverteidigung eingesetzten Marineverbände standen nur im Falle eines
feindlichen Landungsunternehmens unter dem direkten Befehl des Oberbefehlshabers
West. In Fragen der Ausbildung und der taktischen Vorbereitung ergaben sich im
Vergleich zu den benachbart stationierten Heeresverbänden zum Teil deutliche
Differenzen.
Dieser Konzeption zufolge konnten Heer und Marine nicht nur unabhängig
voneinander völlig unterschiedliche Verteidigungskonzepte entwickeln, sondern
begannen sie auch zu verwirklichen. Aus diesem Grunde schlug das Generalkommando
des XXIII. Armeekorps vor, eine einheitliche Befehlsführung zumindest für die
an Land eingesetzten Kräfte des Heeres und der Marine anzustreben. Die
Offensichtlichkeit, dass klare Befehls- und Unterstellungsverhältnisse für das
Zusammenwirken der drei Wehrmachtteile ausschlaggebend sein würden, wurden in
den Ausführungen ebenfalls deutlich formuliert. Doch obwohl von Rundstedt
diesen Vorschlägen grundsätzlich zustimmte, kam es vorerst nicht zu konkreten
Änderungen.
Diese Unklarheit der Befehlsstrukturen wurden von Hitler nicht nur geduldet,
sondern sogar gezielt initiiert. Alle Aufgaben der Reichsführung liefen bei ihm
zusammen. Durch direkte Eingriffe in die Befehlsebenen der Wehrmacht schaltete
er die kreative Mitarbeit der militärischen Führer mehr und mehr aus und
degradierte sie somit zu reinen Befehlsempfängern. Das Wehrmachtsgefüge wurde
nachhaltig gestört, jede Operationsfreiheit strikt untersagt. Hitlers
Abneigung, weiterreichende Befehlsgewalt an andere zu delegieren, führte zu
großen Problemen bei der Gesamtkriegsführung, da die Führungsautorität
zunehmend zersplittert wurde. An den Fronten wurden Marine und Luftwaffe
generell nicht den jeweiligen Militärbefehlshabern unterstellt. Wehrmachtteile
und Parteidienststellen bekämpften sich gegenseitig mangels
Kompetenzabgrenzung.
Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) rechnete seit dem Angriff auf die
Sowjetunion mit einer britischen Entlastungsinvasion an einer der europäischen
Küsten und befahl Ende 1941,
speziell die atlantischen Küsten mit einem „neuen Westwall" auszubauen.
Man hoffte mit diesem Schritt, eine „Zweite Front" von vornherein
auszuschließen und der Wehrmacht den Rücken für ihre Operationen im Osten
freihalten zu können. Der Westen Europas sollte somit uneinnehmbar werden. Im
Falle militärischer Rückschläge im Osten konnte dort, aufgrund der Weite des
Raumes, leichter auf Gelände verzichtet werden als im Westen. Dort wären bei
einer Geländeaufgabe die Zentren des Reiches, besonders das Ruhrgebiet,
unmittelbar bedroht gewesen.
Die zu verteidigende Küstenlinie reichte vom Nordkap bis an die spanische
Grenze, wobei Norwegen für kurze Zeit ganz oben auf der Prioritätsliste der
Abwehrmaßnahmen stand. Man fürchtete, dass eine geglückte alliierte Landung
in Norwegen gravierende politische und wirtschaftliche Auswirkungen haben
würde. Ebenso ging man davon aus, dass die Verteidigung dieses Landes erschwert
würde, weil die schlechten Verkehrsverbindungen es verboten, beweglichen
Reserven schnell heranzuführen. Damit stand der Ausbau der belgischen und
französischen Atlantikküste in seiner Dringlichkeit vorerst an zweiter und
dritter Stelle.
Die Federführung beim Ausbau des Atlantikwalles erhielt der Oberbefehlshaber
des Heeres, während die Aufgabengebiete der Oberbefehlshabers der Kriegsmarine
und der Luftwaffe nicht erweitert wurden. Während das OKW die Überwachung der
Arbeiten übernahm, wurde das Ministerium für Bewaffnung und Munition mit der
Planung und Bauausführung, die Organisation Todt und der Reichsarbeitsdienst
mit der Bereitstellung von Arbeitskräften beauftragt. Nach Hitlers
Vorstellungen durften zur Verteidigung des Atlantikwalles nur wenige Truppen
herangezogen werden, da die Masse der deutschen Soldaten den Kampf im Osten
entscheiden sollte. So wurden die westlichen Befestigungen bevorzugt mit
älteren, schlecht ausgerüsteten Truppen besetzt. Diese sogenannten „bodenständigen
Divisionen" waren wegen des hohen Mangels an Fahrzeugen kaum noch beweglich
und sollten dennoch in ihren Verteidigungsstellungen je einen Abschnitt von
15-20 Kilometern verteidigen.
Im Jahre 1942
erfolgte eine Forcierung sämtlicher Baumaßnahmen am Atlantikwall, da die
Alliierten ihre militärischen Aktivitäten ständig erweiterten. Die
Übereinkunft von Roosevelt und Churchill auf der Konferenz von Washington 1941/42,
Stalins Gesuch nach einer „Zweiten Front" nachzukommen, hatte konkrete
Formen angenommen. Das amerikanische War Department hatte unter General
Eisenhower die Operation „Bolero" geplant, die vorsah, eine Armee von
einer Million Soldaten für eine Invasion an der französischen Küste
bereitzustellen. Im März 1942
wurde diese Idee einer Invasion wieder aufgenommen und ausgebaut. Die Invasion
unter dem Decknamen „Round-up" war für das Frühjahr 1943
festgelegt worden. Mehrere kleinere Landungsversuche sollten 1942
die Aktion vorbereiten und wichtige Aufklärungsarbeit leisten. Diese „Raids"
lieferten den Deutschen jedoch letztendlich Anhaltspunkte, dass besonders die
engste Stelle zwischen Festland und britischer Insel einer Invasionsgefahr
ausgesetzt war. Außerdem bewies die Ortswahl und Ausführung der „Raids",
dass die Westalliierten aus versorgungstechnischen Gründen zuerst versuchen
würden, Häfen und andere strategisch wichtige Punkte in ihre Gewalt zu
bringen. Diese Erkenntnisse veranlassten die Deutschen vor allem exponierten
Punkte des Atlantikwalles vorrangig auszubauen, während kleinere Hafenstädte
und sonstige Stellungen erst später an die Reihe kamen.
Hitler ordnete im September 1942
persönlich an, bis zum Sommer des folgenden Jahres 15.000 Befestigungswerke zu
erstellen, die vor allem zur Verteidigung der Kanalküste vorgesehen waren. Nach
Fertigstellung des Walles sollten auf jeden Kilometer zu verteidigender
Küstenlinie 15-20 Bunker entfallen. Doch diese gigantischen Pläne erwiesen
sich aus technischen Gründen in dieser kurzen Zeitspanne als nicht
durchführbar, so dass nur die besonders bedrohten Küstenstädte am Pas de
Calais vorrangig befestigt wurden. Ijmuiden, Hoek van Holland, Dünkirchen,
Boulogne, Le Havre, Cherbourg, St. Malô, Brest, Lorient, St. Nazaire,
Gironde-Nord, Gironde-Süd und die Kanalinseln Guernesey, Alderney und Jersey
wurden zu Festungen erklärt und banden fortan erhebliche Mengen an Material und
Truppen.
Gemäß dieser Vorgaben erlebte der Bau des Atlantikwalles eine deutliche
Intensivierung. Ab Mitte Mai 1942
wurden im Atlantikwall monatlich ca. 500.000 cbm Eisenbeton verbaut. Die Zahl
der Arbeitskräfte setzte sich zum Teil aus freiwillig arbeitender, zum Teil aus
zwangsverpflichteter einheimischer Bevölkerung zusammen und betrug im Mai 1943
ungefähr 260.000 Mann. Die Zahl der deutschen Arbeitskräfte, die zu dieser
Zeit an den Baumaßnahmen beteiligt waren, belief sich nur auf etwa 26.000.
Trotz dieses hohen Einsatzes von Arbeitern wurden die Befestigungsarbeiten
jedoch von organisatorischen Problemen immer wieder verzögert. Aufgrund
technischer Probleme, die zum großen Teil auch aus Nachschubproblemen
resultierten, war es der federführenden Organisation Tod oft nicht möglich,
die ihr gestellten Aufgaben voll zu erfüllen. Dies bezog sich sowohl auf die
Vorgaben des OKW, als auch auf die konkreten Wünsche der regionalen
Militärbefehlshaber.
Die Führerweisung Nr. 40 „Befehlsbefugnisse an den Küsten" vom 23.3.1942
sollte die Einheitlichkeit der Befehlsführung verbessern, änderte jedoch an
den grundsätzlichen Kompetenzproblemen nichts. Hitler beschrieb in dieser
Weisung die Gefahr von feindlichen Landungen, Landeunternehmen mit begrenzten
Zielen, überfallartigen örtlichen Unternehmungen und Fallschirm- und
Luftlandeunternehmungen. Kriegsmarine und Luftwaffe hatten die Aufgabe, durch
Aufklärung geplante feindliche Unternehmungen rechtzeitig zu erkennen. Da es
jedoch auch denkbar schien, dass aufgrund widrigen Wetters eine ausreichende
Vorwarnung vor feindlichen Aktionen nicht möglich sein würde, hatten alle
Truppen, die solchen überraschenden Aktionen ausgesetzt sein könnten, stets in
voller Abwehrbereitschaft zu sein. Die Verantwortung für die Vorbereitung und
Durchführung der Verteidigung sollte eindeutig und ohne Einschränkung in einer
Hand vereinigt werden. Dabei waren die Truppen so einzusetzen, dass der
alliierte Angriff, wenn möglich vor, spätestens aber nach dem Erreichen der
Küste zusammenbrechen würde. Der Oberbefehlshaber West, von Rundstedt, erhielt
die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Verteidigung der
Küsten der besetzten Westgebiete. In dieser Funktion unterstanden ihm aber nur
die Truppen des Heeres, was sich für die Abwehrvorbereitungen als deutlicher
Nachteil erweisen sollte. Die Luft- und Seestreitkräfte des
Luftflottenkommandos 3 bzw. des Marine-Gruppen-Kommandos West unterstanden,
soweit sie für die operative Kriegführung bestimmt waren, weiterhin
ausschließlich dem Oberkommando der Luftwaffe bzw. dem Oberkommando der Marine.
Im Falle einer feindlichen Invasion waren sie lediglich „gehalten, den
Anforderungen der für die Abwehr verantwortlichen Befehlshaber im Rahmen ihrer
taktischen Möglichkeiten zu entsprechen". Die Kommandobehörden von Marine
und Luftwaffe waren damit nach wie vor unabhängig in der Beurteilung der
taktischen Möglichkeiten und der Ausgabe von Anordnungen der
Küstenverteidigung. Zu diesem Zeitpunkt waren aber schon wesentliche
Truppenteile von Heer und Marine in die Abwehrstellungen integriert worden.
Die nutzlose Verschwendung von Arbeitskraft und Material zeigte sich allein
schon in der grundlegend verschiedenen Anlage von Heeres- und
Marineküstenartilleriestellungen entlang der gesamten Atlantikküste. Ein
weiteres Beispiel für die unklare Kompetenzlage war auch der Zeitpunkt des
Befehlswechsels, der in der Führerweisung Nr. 40 nur eine unklare Formulierung
erfahren hatte. Laut dieser Weisung sollte die Kriegsmarine solange für die
Abwehr des Feindes verantwortlich sein, solange dieser auf dem Wasser war, die
Verantwortlichkeit des Heeres setzte erst ein, wenn der Gegner das Land betreten
hatte. Es blieb dabei völlig unklar, zu welchem Zeitpunkt bei einem alliierten
Angriff mit nachfolgender Landung die Befehlsgewalt über die Artillerie auf das
Heer überzugehen hatte, vor allem unter der Berücksichtigung, dass über lange
Zeit sowohl der bereits gelandete Feind, als auch gegnerische Schiffe bekämpft
werden müssten. Die Luftwaffe entzog sich ebenfalls jeglicher zentralen
Kontrolle, da die an der Küste eingesetzten Flak-Kräfte nach wie vor
ausschließlich der Luftwaffe unterstellt waren. Doch alle Anstrengungen von
Rundstedts, klare Befehlsverhältnisse zu schaffen, hatten keinen Erfolg. Hitler
bestand darauf, an seinen Grundsätzen festzuhalten und dem Oberbefehlshaber
West eine zentrale Befehlsgewalt vorzuenthalten.
Anfang 1943
war die steigende Diskrepanz zwischen dem ungenügenden Ausbau des
Atlantikwalles und den ständig wachsenden alliierten Truppenkontingenten auch
für Hitler und das OKW offensichtlich. Zu diesem Zeitpunkt standen den
Alliierten bereits 32 Infanteriedivisionen, 12 Panzerdivisionen, 3
Luftlandedivisionen, 2800 Jäger, 3900 Kampfflugzeuge und 1000 Aufklärer für
eine Invasion zur Verfügung. Nach der geglückten Landung auf Sizilien im Juli 1943
wurden ebenfalls große Mengen an Landungsbooten in Großbritannien
zusammengezogen und verstärkten die Bedrohungssituation. In seiner Denkschrift
vom 25. Oktober 1943
hatte von Rundstedt auf grundlegende Mängel des Verteidigungskonzeptes
hingewiesen, die Hitler in seiner Führerweisung Nr. 51 vom 3. November 1943
überwiegend aufgriff. Er schloss sich den Einschätzungen von Rundstedts
weitgehend an:
„Die Gefahr im Osten ist geblieben, aber eine größere im Westen zeichnet
sich ab: die angelsächsische Landung! Im Osten lässt die Größe des Raumes
äußersten Falles einen Bodenverlust auch größeren Ausmaßes zu, ohne den
deutschen Lebensnerv tödlich zu treffen. Anders im Westen! Gelingt dem Feind
hier ein Einbruch in unsere Verteidigung in breiter Front, so sind die Folgen in
kurzer Zeit unabsehbar. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass der Feind
spätestens im Frühjahr, vielleicht aber schon früher, zum Angriff gegen die
Westfront Europas antreten wird. Ich kann es daher nicht mehr verantworten, dass
der Westen zu Gunsten anderer Kriegsschauplätze weiter geschwächt wird. Ich
habe mich daher entschlossen, seine Abwehrkraft zu verstärken, insbesondere
dort, von wo wir den Fernkampf gegen England beginnen werden. Denn dort muss und
wird der Feind angreifen [...]. Mit Fesselungs- und Ablenkungsangriffen an
anderen Fronten ist zu rechnen."
Als Konsequenz aus diesen Überlegungen erhielt der Generalstab des Heeres den
Auftrag, für ausreichende Beweglichkeit der Westverbände zu sorgen. Panzer-,
Sturmgeschütz- und Panzerjägereinheiten wurden aufgestellt und deren Abzug aus
dem Bereich des Oberbefehlshaber West untersagt.
Gegen Ende des Jahres 1943
hatte sich die politische Situation Deutschlands drastisch verschlechtert.
Italien war aus der Kampffront gegen die Alliierten ausgeschieden, die Türkei
schien sich mehr und mehr der alliierten Seite anzunähern, und von Japan war
keine direkte Hilfe auf dem europäischen Kriegsschauplatz zu erwarten. Die
Loyalität von Ungarn, Rumänien und Bulgarien konnte nur noch durch massive
deutsche Eingriffe gewährleistet werden. Angesichts dieser hoffnungslosen Lage
konzentrierten sich alle Hoffnungen Hitlers auf den Bruch des Bündnisses der
Westmächte mit der Sowjetunion. Die Verteidigung der eroberten Gebiete des
Deutschen Reiches bekam nun oberste Priorität.
Im Bewusstsein Hitlers nahm die Abwehr einer möglichen alliierten Invasion
jetzt einen deutlich bedeutendere Stellung ein. Ein Hinweis darauf war die
Betreuung des kompletten Stabes der Heeresgruppe B, unter der Führung von
Generalfeldmarschall Erwin Rommel, mit der Inspektion der Verteidigungsanlagen.
Rommel, der sich als Kommandant des deutschen Afrikakorps den Ruf eines genialen
Taktikers erworben hatte, schien besonders geeignet, die deutschen
Abwehrvorbereitungen zu forcieren. Am 18. Dezember 1943
bezog der Stab in Fontainebleau Quartier und nahm seine Arbeit auf. Rommels
Aufgabe bestand darin, die Verteidigungsmaßnahmen zu besichtigen, Vorschläge
für ihre Verbesserung zu machen und die Frage des Angriffs auf einen gelandeten
Feind zu studieren. Obwohl Hitler direkt unterstellt, waren irgendwelche
Befehlsbefugnisse im Bereich des Oberbefehlshabers West mit seinem Auftrag
zunächst nicht verbunden. Rommels rege Aktivitäten und zahlreiche
Inspektionsreisen brachten ihn jedoch in Konflikt mit dem Oberbefehlshaber West,
als er zunehmend versuchte, seine eigenen Abwehrvorstellungen durchzusetzen.
Doch von Rundstedt zeigte sich kompromissbereit. Auf seinen Vorschlag hin erging
am 1. Januar 1944
ein Befehl vom OKW, wonach der Stab der Heeresgruppe B dem Oberbefehlshaber West
unterstellt wurde. Rommel erhielt daraufhin am 15. Januar 1944
die taktische Führung über die in den Niederlanden stationierten Truppen des
Heeres, sowie über die 15. und 7. Armee. Trotz Hitlers Ankündigung, dass der
Stab der Heeresgruppe B jederzeit abberufen werden könnte, wurde
Generalfeldmarschall Rommel mit den Abwehrvorbereitungen und der
Küstenverteidigung, im Bereich der ihm zugewiesenen Armeen betraut. Sein
Inspektionsauftrag an den Küstenabschnitten Südwest- und Südfrankreichs wurde
davon aber nicht berührt. Damit blieb sein Einfluss auf die Vorbereitung der
gesamten Westverteidigung ebenso gewahrt wie die Möglichkeit sich bei Problemen
direkt an den Führer zu wenden.
Im Falle eines alliierten Angriffes ergab sich aber damit eine Doppelfunktion
des Oberbefehlshabers West. Einerseits war von Rundstedt für die operative
Führung des Kampfes und die Koordination der Abwehrvorbereitungen auf dem
ganzen westlichen Kriegsschauplatz verantwortlich, andererseits unterstanden ihm
die nicht in Rommels Heeresgruppe B zusammengefassten Verbände unmittelbar. Der
Oberbefehlshaber West war somit gleichzeitig Oberbefehlshaber in den besetzten
Westgebieten und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe D. Als Kommandant dieser
Rommel nicht unterstehenden Heeresgruppe war er aber theoretisch sich selbst
unterstellt auf der gleichen Befehlsstufe wie Feldmarschall Rommel und hatte
somit über- und untergeordnete Befehlsfunktionen zugleich inne. Diese
Befehlsverhältnisse führten in der Praxis zu dauernder Überlagerung und
Doppelarbeit der beiden Stäbe, wie sie ein Mitarbeiter von Rommels Stab
deutlich beschrieb:
„Das Hin und Her der Ansichten über die beste Art der Verteidigung zeigte
sich darin, dass man Bunker am Strand von Fécamp zugemauert hatte, in Dieppe
unbesetzt ließ. Südlich der Somme- Mündung fanden wir später sogar einige,
die gesprengt worden waren, als ein neuer Kommandant die Hauptkampflinie auf
einen Höhenzug einige Kilometer vom Strande zurückverlegt hatte."
Schließlich stellte von Rundstedt einen Antrag an das Oberkommando der
Wehrmacht, die Befehlsverhältnisse endlich zu klären.
3. Unterschiedliche
Abwehrkonzeptionen 1944:
Der Einsatz der Panzertruppe:
Anfang 1944
schien es offensichtlich, dass die Westalliierten in näherer Zukunft eine
Landung an der französischen Küste versuchen würden. Die Abwehrvorbereitungen
wurden daraufhin drastisch intensiviert. Dem zugrunde lag der Bericht, den der
Chef des Wehrmachtführungsstabes General der Artillerie Alfred Jodl, nach einer
Inspektionsfahrt im Januar Hitler ablieferte. Da es aber trotz größter
Bauanstrengungen nicht möglich schien, alle noch bestehenden Lücken in der
Verteidigung in absehbarer Zeit zu schließen, schlug Jodl die Einrichtung
gepanzerter Reserven vor, die hinter den hauptsächlich gefährdeten Abschnitten
der 15. und 7. Armee eingesetzt werden sollten. Diese Kräfte sollten
kurzfristig in die Kämpfe eingreifen und den Feind ins Meer zurückwerfen
können. Jodl zog aus seinen Beobachtungen die Schlussfolgerung, dass das
Entstehen einer „zweiten Front" nur verhindert werden könne, wenn der
Feind direkt an der Küste abgewehrt würde. Aus diesem Grunde machte er den
Vorschlag, die zur Verteidigung nötigen Panzerdivisionen möglichst küstennah
zu stationieren, um sie sofort beim Erkennen einer Landung einsetzen zu können.
Um diesen Ideen nachzukommen, hätte jedoch sowohl die 7. wie auch die 15. Armee
je eine oder zwei starke Panzerreserven haben müssen. Eine Vorstellung, die
sich angesichts der gespannten Versorgungs- und Nachschubsituation als
illusorisch herausstellte. Das realistischere Konzept, eine zentrale
Panzerreserve aufzustellen, bedeutete aber, dass diese dann beiderseits von
Paris hätten stationiert werden müssen, um in Belgien, Nordfrankreich,
Westfrankreich und Südfrankreich rasch eingreifen zu können. Die
neuerschaffene Panzergruppe West wurde unter dem Kommando des Generals der
Panzertruppe, Leo Frhr. Geyr von Schweppenburg, am 24. Januar 1944
dem Oberbefehlshaber West unterstellt. Nach seinen Plänen sollten die
Panzerkräfte möglichst geschlossen eingesetzt werden. Dies hatte den Nachteil,
dass bis zum Einsatz der Kräfte 24 - 48 Stunden vergehen würden, dies aber
andererseits der eigenen Führung den Spielraum ließ, den gegnerischen
Schwerpunkt klar zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Die
alliierte Luftüberlegenheit klar erkennend, plante von Schweppenburg, die
Panzerkräfte nur nachts und unter Ausnutzung günstigen Geländes zu bewegen.
Nach seinen Vorstellungen sollte eine starke operative Reserve außerhalb der
Reichweite der Schiffsartillerie und gedeckt gegen Fliegersicht in den Wäldern
nordwestlich oder südlich von Paris zurückbehalten werden. Von dort aus wäre
es möglich, sofern der Gegner von der Küste ins Landesinnere vorstoßen
sollte, diesen mit einem konzentrierten Panzerangriff zu vernichten. Von
Schweppenburg sah, angesichts der gespannten Gesamtkriegslage, die einzige
verbliebene deutsche Überlegenheit in der geschickten und beweglichen Führung
der Panzerverbände.
Rommels Abwehrvorstellungen unterschieden sich aufgrund seiner Erfahrungen in
Nordafrika davon deutlich. In seiner Abwehrkonzeption ging Rommel von den aus
der anglo- amerikanischen Luftherrschaft resultierenden Beschränkungen aus. Er
rechnete damit, dass die alliierten Bomber bei Tag und bei Nacht jeden Verkehr
auf den Anmarschstraßen unterbinden und alle Brücken unbenutzbar machen
würden. Deshalb war für ihn die Unüberwindlichkeit des Atlantikwalles und die
Vernichtung des Gegners während des Schwächemomentes der Landung die einzige
Möglichkeit, die Invasion erfolgreich abzuwehren. Vorstrandhindernisse aller
Art hatten das Ziel, den Gegner nicht nur im Wasser aufzuhalten, sondern die
feindlichen Landungsfahrzeuge noch im Wasser zu vernichten. Zu diesem Zweck
sollten außerdem nicht nur Infanterie- und Artilleriestellungen, sondern vor
allem die in Reserve liegenden Panzerdivisionen entlang der Küste disloziiert
werden, um von dort sofort in den Kampf eingreifen zu können.
Diese Konzeption hatte den Vorteil, dass zumindestens eine Panzerdivision in
kürzester Zeit in das Kampfgeschehen eingreifen konnte und so wegen der Kürze
des Anmarschweges weniger durch die alliierte Luftwaffe bedroht war. Der
Nachteil dieser Planung lag darin, dass für den Fall, dass die vorhandenen
Kräfte nicht ausreichen würden, aus den anderen Küstenabschnitten
Panzerkräfte unter ständiger Bedrohung durch alliierte Flieger hätte
herangezogen werden müssten. Nacheinander eintreffend konnten sie dann leicht
durch Schiffsartillerie aufgerieben werden. Es bestand ebenfalls die Gefahr, dass
durch Scheinmanöver der Gegner, die Panzerkräfte zu früh festgelegt
werden würden. Rommels Konzeption ließ im Falle einer geglückten Landung und
eines Durchbruches ins Innere Frankreichs keine Alternativen mehr zu, während
Geyr von Schweppenburgs Vorstellungen doch zumindest noch Gegenschläge bei
solchen Ereignissen möglich machten.
Sowohl Geyr von Schweppenburg, als auch Rommel versuchten in der folgenden Zeit
ihre jeweiligen Ideen durchzusetzen. Ein Vorstoß Rommels, Hitler davon zu
überzeugen, den Oberbefehl über alle Panzerkräfte in seinen Händen zu
vereinigen, scheiterte. Dennoch versuchte er seinen ganzen Einfluss bei dem OKW
und Hitler geltend zu machen, um sein Ziel zu erreichen. Geyr v. Schweppenburg
konnte dagegen den Generalinspekteur der Panzertruppen, Generaloberst Heinz
Guderian, als Fürsprecher gewinnen.
Mit wechselnder Akzentuierung hielt der Oberbefehlshaber West bis zum Beginn der
Invasion an beiden Abwehrkonzeptionen fest. Er versuchte sowohl die
Küstenverteidigung zu stärken als auch eine genügende operative Reserve zu
behalten. Generalfeldmarschall Rommel und General Geyr von Schweppenburg wären
als Vertreter dieser beiden Konzeptionen für eine ausgeglichene Vorbereitung
geeignet gewesen. Doch das Nebeneinander der beiden Denkrichtungen wurde in der
Praxis mehr und mehr zu einem Antagonismus, da das eine nur auf Kosten des
anderen getan werden konnte.
Als selbst eine Aussprache zwischen Geyr von Schweppenburg und Rommel kein
Ergebnis brachte, sah sich Hitler gezwungen, Klarheit in dieser Frage zu
schaffen. Er griff einen aus dem Jahre 1943
stammenden Vorschlag von Rundstedts auf, die Reste des Stabes der Heeresgruppe
D, aus dem 1941/1942
der Stab des Oberbefehlshaber West hervorgegangen war, von diesem zu trennen,
sie wieder aufzustocken und dann den wieder selbständigen Stab mit der Führung
Südfrankreichs zu betrauen. Diese Neuregelung der Befehlsverhältnisse hatte
zur Folge, dass bei einer Landung alliierter Kräfte in Südfrankreich der
Einsatz des Stabes der Heeresgruppe B entfiel, da mittlerweile dort der
Heeresgruppenstab der Armeegruppe G die Arbeit aufgenommen hatte. Der
Heeresgruppe B unter Rommel wurden schließlich die 2., 21. und 116.
Panzerdivision direkt unterstellt. Die Panzergruppe West, die von Rundstedt
direkt unterstellt war und die OKW Reserve bildete, erhielt die 1. und 12.
SS-Panzerdivision, die 17. Panzergrenadierdivision und die Panzerlehrdivision.
Letztendlich kann diese Entscheidung als ein Erfolg Rommels gewertet werden. Es
war ihm nicht nur zugestanden worden, die Küstenlinie durch in Reserve stehende
Infanteriedivisionen zu verstärken, sondern er erhielt zu diesem Zweck auch
drei gepanzerte Verbände.
4. Probleme und
Verteidigungsvorbereitungen
1944:
Die Versorgung der am Atlantikwall stationierten Truppen wurde 1944
zunehmend schwieriger. Anfang 1944
benötigte die gesamte Wehrmacht 230.000 Tonnen Benzin monatlich, doch nur
198.000 Tonnen konnten produziert werden. Da die vorhandenen Bestände bevorzugt
an die Ostfront abgegeben wurden, gingen die Fehlbeträge vor allem zu Lasten
des Oberbefehlshaber West. Eine ähnliche Situation war im Bezug auf den
Transportraum entstanden. Da die Möglichkeit, Material und Truppen mit der
Eisenbahn zu transportieren durch alliierte Luftangriffe drastisch
eingeschränkt wurde, musste man vor allem Lastkraftwagen in Anspruch nehmen.
Von den benötigten 40.000 Tonnen Transportkapazität standen dem
Oberbefehlshaber West nur 5.000 Tonnen zur Verfügung. Damit zerschlugen sich
weitgehend die Hoffnungen, die bodenständigen Divisionen wieder beweglicher zu
machen, um sie im Notfall als örtliche Reserven einsetzen zu können.
Trotz all dieser Probleme konnte die Verteidigungslage noch im ersten Halbjahr 1944
deutlich verbessert werden. Mit Alarmübungen, Planspielen und Studien wurden
verschiedene Konzeptionen ausprobiert und angeglichen. Das Ausbautempo der
Verteidigungsanlagen wurde erhöht, wobei jetzt vor allem die Rommelsche
Konzeption, den Gegners vor Erreichen der Küste zu vernichten, zum Tragen kam.
Weite Küstengebiete wurden vermint, Vorfeldsperren, Drahthindernisse und
Ansumpfungen ergänzten die ständig wachsende Anzahl der Bunker. Im Hinterland
sollten die sogenannten „Rommelspargel" Luftlandungen des Gegners
erschweren. Auch die Ausbildung der Soldaten wurde deutlich verbessert, da die
vorhandenen Verbände, die durch die ständigen Verlegungen ohnehin schon
geschwächt waren, vorwiegend aus Soldaten ohne Kampferfahrung bestanden. In der
Heckenlandschaft der Normandie, die sich für Verteidigungszwecke sehr gut
eignete, wurde mit simulierter Feindtruppe die Abwehr gegen luftgelandete
Verbände geübt. Diese notwendigen Übungen wurden aber immer wieder dadurch
erschwert, dass der Ausbau der Stellungen ständig vorangetrieben werden musste.
Die Anzahl der Verbände, die im Westen stationiert waren, wurde durch
Neuaufstellungen wie auch durch Verlegungen von Reservedivisionen und
abgekämpften Truppen aus dem Osten erhöht. Auch die Ausrüstung mit schwerem
Gerät und Panzerabwehrwaffen wurde angesichts der bevorstehenden Invasion
verbessert. Im Mai 1944
standen dem Oberbefehlshaber West schließlich 48 Infanterieverbände zu
Verfügung, die für alle Abwehrzwecke eingesetzt werden konnten. An Panzer-
bzw. Panzergrenadierdivisionen standen zur gleichen Zeit insgesamt 10 Verbände
zur Abwehr der Invasion bereit, die insgesamt 1370
einsatzbereite Panzer umfassten. Sechs Monate nachdem Hitler seine
Führerweisung Nr. 51 ausgegeben hatte, waren die Abwehrvorbereitungen
beeindruckend vorangeschritten. Die Personalstärke, der im Westen stehenden
Truppen, hatte sich von 1.372.000 im November 1943
auf 1.873.000 erhöht, die Panzerzahl hatte sich von 256 auf 1299
verbessert und sowohl die Anzahl der Bunker als auch der Geschützstände im
Atlantikwall betrug nun über 15.000. Ebenso wie ihre Gegner begannen auch die
Deutschen mit Täuschungen und Funkspielen. Panzerattrappen und Scheinstellungen
sollten den Gegner ebenso täuschen wie das Funkspiel unter dem Codenamen „Landgraf",
das am 14. Mai 1944
begann und bei dem 8 erfundene Divisionen den Gegner verwirren sollten. Im
Unterschied zu den Deutschen konnten die Westalliierten solche
Täuschungsmanöver mittels ihren überlegenen Aufklärungsmöglichkeiten
relativ schnell erkennen.
Die nach wie vor bestehenden Schwächen des Atlantikwalles sollten durch eine
intensive Propaganda ausgeglichen werden. Ähnliches war schon vor Beginn des
Krieges mit dem Westwall gelungen, den man mittels geschickter Propaganda als so
unüberwindlich erscheinen ließ, dass eine französische Offensive nach dem
deutschen Einmarsch in Polen weitgehend ausgeschlossen werden konnte.
Ausgedehnte Propagandaaktionen präsentierten nun einen unüberwindlichen Wall
aus Bunkern, Hindernissen und Geschützen größten Kalibers. Allerdings fanden
Besuche von in- und ausländischen Journalisten ausschließlich an den am
stärksten befestigten Stellen des Pas de Calais statt. Vorzeigestellungen wie
die „offensive Fernkampfbatterie Lindemann" sorgten für imposante
Aufnahmen, die nicht nur in Deutschland Aufsehen erregten. Auf persönliche
Anregung Goebbels hin sollte diese Batteriegruppe am Cap Gris-Nez vortäuschen, dass
die gesamte Abwehr am Atlantikwall überall so stark sei. Es wurde offen
verkündet, dass die Geschütze der Maginotlinie jetzt in die deutsche
Abwehrlinie integriert worden wären und dass die bevorstehende Landung der
Alliierten „das größte Blutbad der Weltgeschichte" werde. Goebbels
verkündete in einer Rede am 5. Juni 1943
im Berliner Sportpalast:
„... Man spricht heute von der Invasion in Europa, als wäre das die
selbstverständlichste Sache der Welt ... Der englische und der amerikanische
Soldat aber werden eine blutige Zeche bezahlen müssen. Unsere Wehrmacht ist zu
ihrem Empfang bereit !"
Obwohl die zunehmende Propaganda die Alliierten beunruhigte, wurden doch die
wahren militärischen Verhältnisse durch die Überlegenheit der anglo-
amerikanischen Aufklärung bald offensichtlich.
Einen Monat vor Beginn der alliierten Invasion wurden die Befehlsverhältnisse
im Westen erneut geändert und dem Oberkommando der Heeresgruppe B unter
Generalfeldmarschall Rommel definitiv die Verteidigung der Küsten Hollands,
Belgiens und Nordfrankreichs zugewiesen. Die Kampfführung an den Küsten
südlich der Loire, an der Pyrenäenfront und an der Mittelmeerküste, erhielt
das neue Heeresgruppen-Oberkommando G unter Generaloberst Blaskowitz. Mit diesen
Maßnahmen war die Führungsposition von Rundstedts nochmals vereinfacht worden.
Ihm oblag jetzt die Gesamtführung in den besetzten Westgebieten nach den
Weisungen und Befehlen des Führers bzw. des OKW. Außerdem erhielt er mit den
beiden anderen gleichberechtigten Wehrmachtteilen die gemeinsame Führung der
Truppen. Obwohl er zusätzlich das formelle Recht erhielt, je nach Lage und nach
Befehl des OKW Kräfte zu verlagern, war es jedoch nicht gelungen, die
grundlegenden Probleme der Befehlshierarchie im Westen zu beseitigen. Die
Waffen-SS, die Luftflotte 3 und die Marinegruppe West waren nach wie vor nur
gemäß Führerweisung 40 unterstellt und standen mit ihrer eigenen
Kommandostruktur praktisch außerhalb der Befehlsgliederung des
Oberbefehlshabers West.
Schon Ende 1943
war man sich in Deutschland im Klaren darüber gewesen, dass der Gegner mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 1944
auf dem europäischen Festland landen würde. Die deutsche Aufklärung konnte
durch Spionage die wichtigsten Ergebnisse der alliierten Konferenzen in
Erfahrung bringen und war über die Pläne zur Errichtung einer zweiten Front
informiert. Ende 1943
beobachtete die deutsche Wehrmacht über 1.800 Landungsboote, Kreuzer und
Schlachtschiffe in den englischen Häfen. Im April und Mai 1944
war das Wetter besser geworden, und die verstärkte Bombardierung der
Küstenstellungen durch die Alliierten deuteten auf bevorstehende Ereignisse
hin. Ab Ende Mai wurden die Brücken über die Seine und Loire planmäßig von
den Alliierten zerstört und die Normandie somit transporttechnisch weitgehend
abgeschnitten. Der deutschen Luftaufklärung war es zu diesem Zeitpunkt bereits
nicht mehr möglich, zuverlässige Informationen über die Geschehnisse jenseits
des Kanals zu bekommen. Anfang Juni wurde jedoch der Alarmzustand der Truppen
etwas gelockert, da Sturm und hoher Wellengang eine Invasion nahezu
ausschlossen. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dönitz, fuhr
in Urlaub, Rommel weilte in Berchtesgarden, um den Geburtstag seiner Frau zu
feiern und das OKW befaßte sich mit dem Kriegsschauplatz in Italien. Obwohl
deutsche Heeresmeteorologen das Auftreten eines Zwischenhochs und damit
günstigen Wetters für den 6. Juni ebenso sicher wie ihre alliierten Kollegen
vorausgesagt hatten, waren diese Aussichten bei den deutschen Verantwortlichen
ignoriert worden. Das zu erwartende günstige Wetter ergänzte nun in idealer
Weise die Kombination aus Sonnenaufgang, Mondstand und Gezeiten.
Am Vorabend der alliierten Landung in der Normandie hatte der Atlantikwall eine
nie gekannte Stärke erreicht und fast 2 Millionen Soldaten der Wehrmacht
erwarteten den Gegner. Allerdings gab es nach wie vor entscheidende Schwächen
in der deutschen Verteidigung. Von den ca. 1000
Geschützen des Atlantikwalles waren nur 39 in der Lage, Seeziele zu bekämpfen.
Eine schlagkräftige Marine gab es eben sowenig, wie starke Luftwaffenverbände.
Obwohl es nicht gelungen war, den Ort der Landung vorherzusagen, gab es bis auf
in Nordfrankreich und Belgien verstreut liegende Panzerverbände keine
zusätzlichen Reserven mehr. Dem Atlantikwall fehlte zudem jede rückwärtige
Sicherungslinie oder Auffangstellung. Zuletzt gab es für die drei
Wehrmachtteile nach wie vor keinerlei einheitliche Führung, da als Richtlinien
für den Abwehrkampf nur die Führerweisungen Nr. 40 und 51 zur Verfügung
standen. Schließlich hatten auch englische Täuschungsmanöver durch Funkspiele
und Falschinformationen die Deutschen bis zuletzt in der Annahme gelassen, dass die Invasion am Pas de Calais stattfinden würde. Die Tatsache,
dass hier die
schmalste Stelle des Kanals war und nach einer geglückten Landung von hier aus
das Ruhrgebiet am schnellsten erreichet werden konnte, schien die alliierten
Pläne offensichtlich zu machen. Dementsprechend hatte die überproportional
starke Befestigung dieser Region schon früh begonnen. Da die militärische
Führung Deutschlands, aber auch Hitler persönlich schon seit längerer Zeit
mit einer Landung an genau dieser Stelle rechnete, waren die Täuschungsmanöver
auf fruchtbaren Boden gefallen. Im Unterschied zu ihren alliierten Gegnern
besaß die Wehrmacht aber kaum Aufklärungsmöglichkeiten, um derartige
Meldungen überprüfen zu können.
5. Der Ablauf der Invasion und das
Versagen der deutschen Abwehr:
In der Nacht des 6. Juni bereiteten ausgedehnte Luftlandungen und
Bombardierungen das Anlanden größerer Truppenkontingente im Morgengrauen vor.
Um 6:30 Uhr landeten die ersten alliierten Boote an fünf Abschnitten der Küste
der Normandie. Die erste Welle von 3100 Landungsfahrzeugen, die von über 1200
Kriegsschiffen abgeschirmt wurde, konnte an fast allen Abschnitten rasch Fuß
fassen. Bis zum frühen Nachmittag überwanden alliierte Pioniereinheiten die
Vorstrand- und Strandhindernisse und bauten Brückenköpfe auf, die durch
schweres Gerät, Panzer und Versorgungsgüter verstärkt wurden. Die im
Landungsraum eingesetzten Batterien der Küstenartillerie konnten sich zwar zum
Teil erstaunlich lange behaupten, waren aber für den ausgedehnten
Landungsabschnitt in keiner Weise ausreichend. Die deutsche Kriegsmarine konnte
mit ihren wenigen einsatzbereiten Zerstörern und Torpedobooten der starken
Invsionsflotte nur geringen Schaden zufügen. Das Gleiche galt für die
hoffnungslos unterlegene Luftwaffe, die meist schon weit vor ihrem Einsatzgebiet
in Luftkämpfe verwickelt wurde. Schon nach kurzer Zeit waren die Alliierten den
bodenständigen deutschen Divisionen an schwerem Gerät und Panzern überlegen.
Unter diesen Bedingungen konnte einer schnellen Ausdehnung der alliierten
Brückenköpfe nur entgegengetreten werden, wenn die vorhandenen Panzerreserven
unverzüglich zum Einsatz kamen. Jetzt rächte es sich, dass von Rundstedt und
Hitler es abgelehnt hatten, die verfügbaren Panzerkräfte in Küstennähe zu
stationieren, um den Feind in seiner schwächsten Phase am Strand zu schlagen,
wie Rommel es vorgeschlagen hatte. Die in Nord- und Zentralfrankreich liegenden
Panzerreserven mussten nun über weite Strecken an die Front geführt werden,
wobei die ständigen alliierten Fliegerangriffe starke Schwächungen der
Verbände bewirkten. Es kam noch hinzu, dass die Reserven nur zögernd vom OKW
freigegeben wurden, da Hitler noch bis in den Juli hinein die Meinung vertrat, dass
eine zweite alliierte Landung an der Kanalküste bevorstehe. Beispielsweise
traten schon bei den ersten Angriffsoperationen der 21. Panzerdivision
erhebliche Schwierigkeiten zu Tage. So brauchten die deutschen Truppen vom
Eintreffen im Kampfgebiet bis zum Auslösen des Gegenangriffs nochmals zwei bis
drei Stunden, mussten sich aber bald zurückziehen, als das alliierte Kommando
Luftlandetruppen direkt in die angreifenden Panzerverbände absetzte. Rommels
Abwehrkonzeption war aufgrund des Fehlens der wichtigen „Panzerkomponente"
gescheitert. Die Masse der deutschen Panzerverbände lag weit von der Kampfzone
entfernt im Großraum Paris. Doch auch von Rundstedts verzweifelte Versuche,
seine Panzerverbände für einen Gegenangriff zu vereinigen und die Entscheidung
in einer offenen Schlacht zu suchen, scheiterten. Die tropfenweise und
verspätet eintreffenden Panzerverbände konnten nicht für einen entscheidenden
Offensivschlag zusammengefasst werden, da sie jeweils sofort bei ihrem
Eintreffen in den Verteidigungsring eingefügt werden mussten. Nur so gelang es
überhaupt, den Feind in seinen Landungsköpfen festzuhalten und am Übergang
zum offenen Bewegungskrieg zu hindern. Der letzte Versuch, das I. SS und das
XXXXVII. Panzerkorps durch Infanterie-Divisionen zu ersetzten und doch noch
einen gepanzerten Gegenstoß auszuführen, scheiterte am 29. und 30. Juni im
konzentrierten Feuer der feindlichen Panzer, der Schiffsartillerie und der
überlegenen Luftwaffe der Alliierten.
Bis zum 12. Juni 1944
war es Alliierten gelungen 326.000 Soldaten, 54.000 Fahrzeuge und 104.000 Tonnen
Material an Land zu setzen und einen zusammenhängenden Landekopf von 100 km
Länge und 30 km Tiefe zu schaffen. Als daraufhin von Rundstedt Anfang Juli
nochmals vorschlug, die eigenen Kräfte aus dem Wirkungsfeuer der feindlichen
Schiffsartillerie zurückzuziehen und mit dem dann möglichen Herauslösen von
Panzerverbänden einen Gegenstoß zu formieren, wurde er von Hitler durch
Feldmarschall von Kluge ersetzt. Mit der Weigerung Hitlers, ein ökonomischeres
Kampfverhalten zu wählen, waren alle Möglichkeiten zur Erhaltung der
Panzerkampfkraft auf die Stufe der Einsatztaktik reduziert. Auf deutscher Seite
gab es bald keinen durchdachten Abwehrplan mehr. Der Prozess der Planung in der
obersten Führung des Westens erschöpfte sich in der aussichtslosen Suche nach
Kompensationsmöglichkeiten für die totale Luft- und Artillerieüberlegenheit
der Alliierten.
Am 17. Juli erlitt Rommel bei einem Tieffliegerangriff einen Schädelbasisbruch
und fiel als wichtigster Frontbefehlshaber aus. Kluge, der außer seiner
Funktion als Oberbefehlshaber West nun auch Chef der Heeresgruppe B wurde,
bemühte sich, Hitlers sinnlose Haltebefehle kritiklos in die Tat umzusetzen und
konnte die alliierten Vorstöße nicht entscheidend aufhalten. Am 25. Juli 1944
durchbrachen amerikanische Truppen westlich von St. Lô die deutsche Front und
gingen zum offenen Bewegungskrieg über. Die Abwehr der alliierten Invasion in
der Normandie war damit endgültig gescheitert.
6. Schlussbetrachtung:
Mit der Niederlage des deutschen Reiches in der Luftschlacht um England 1941,
war jede Hoffnung zerschlagen worden, England zu erobern oder es als
Juniorpartner an die Seite Deutschlands zu zwingen. Damit war es unumgänglich
geworden, zum Schutz der Eroberungen im Westen, eine effiziente
Verteidigungslinie aufzubauen, welche Kontinentaleuropa von den Pyrenäen bis
nach Lappland vor anglo- amerikanischen Angriffen schützen sollte.
Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941
begann man im OKW an eine mögliche Entlastungsinvasion der Alliierten im Westen
zu denken und ersann den „Atlantikwall" zu deren Abwehr. Bis zur Landung
der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944
erlebte der „Atlantikwall" jedoch alles andere als einen durchdachten und
planmäßigen Ausbau. Während drei Jahren wurden die Verteidigungskonzeptionen
mehrfach modifiziert, die Kompetenzen der Befehlsträger im Westen verändert
und die Abwehrvorbereitungen gerieten in einen Strudel von Rivalitäten und
Streitigkeiten innerhalb der Wehrmacht.
Mit dem Aufbau des „Atlantikwalles" wurde der Oberbefehlshaber West,
Generalfeldmarschall von Rundstedt betraut, dem allerdings ab 1943
Generalfeldmarschall Rommel als Inspekteur der Westverteidigungen zugeteilt
wurde. Zwischen diesem, von Rundstedt und dem Panzergeneral von Schweppenburg
zeigten sich bald Differenzen, wie man der Vorstellung Hitlers am besten gerecht
werden könnte, einen Angriff wenn möglich vor, spätestens jedoch nach
Erreichen der Küste zu zerschlagen. Die zentrale Frage dabei war der Standort
und die Unterstellung der Panzerverbände. Es zeigte sich, dass weder der
Oberbefehlshaber West, noch das Oberkommando der Wehrmacht sich auf ein einziges
Konzept festlegen wollten. Angesichts des Mangels an Einheitlichkeit im
taktisch-operativen Denken konnte die Meinung Rommels und von Schweppenburgs
immer mehr an Gewicht gewinnen. Der dominierende Einfluss der beiden
Persönlichkeiten hatte eine polarisierende Wirkung, indem das breite Spektrum
der vorhandenen Lösungsmöglichkeiten mehr und mehr auf die Positionen der
beiden Gegenspieler reduziert wurde. Rommels Idee einer Art Raumverteidigung der
Küsten stand die Konzeption des Bewegungskrieges von Schweppenburgs gegenüber.
Der Oberbefehlshaber West blieb bis zum Ende bei der Zweigleisigkeit seiner
Abwehrvorbereitungen.
Zu diesen Differenzen innerhalb des Heeres kam noch die Schwierigkeit, Marine
und Luftwaffe in die Abwehrfront zu integrieren, da diese ebenfalls eigene
Vorstellungen besaßen.
Die unübersichtliche Entwicklung der Kommandoverhältnisse im Westen wurde
letztendlich durch den allgegenwärtigen und unmittelbaren Einfluss Hitlers
geprägt, der jede Konzentration von Kommandogewalt auf einer unteren
Befehlsstufe verhinderte und sich so die letzte Entscheidung stets vorbehielt.
Dies begünstigte die Aufrechterhaltung der Kommandostrukturen der verschiedenen
Wehrmachtteile und der SS, deren Befehlswege somit erst bei Hitler
zusammenliefen. Selbst nach dem völligen Verlust der operativen Bedeutung der
Luftwaffe und der Marine, gelang es dem Oberbefehlshaber West von Rundstedt
nicht, diese Wehrmachtteile in eine klare Kommandostruktur zur Verteidigung des
Westens einzufügen. Die unklaren, in der Führerweisung Nr. 40 formulierten
Befehlsstrukturen, blieben in ihrem Grundkonzept trotz vielfacher
Verbesserungsversuche bis zuletzt bestehen. Als erst einen Monat vor der
Invasion das Oberkommando der Heeresgruppe B organisch in die Befehlsgliederung
des Westens integriert wurde, war es bereits zu spät. Die Abwehrvorbereitungen
waren an vielen Stellen häufig zweigleisig und mit unzulänglichen
Befehlsbefugnissen durchgeführt worden.
Letztendlich war es somit nicht nur die überwältigende Materialüberlegenheit
der Westalliierten, welche die Invasion zu einem Erfolg machte. Obwohl auf
deutscher Seite die vielfältigen Materialmängel zum Teil durch bewundernswerte
Improvisation ausgeglichen wurden, gab es doch auf dem Gebiet der
Abwehrvorbereitungen und der Kommandostrukturen selbstgeschaffene Hindernisse,
welche die Verteidigungsvorbereitungen nachhaltig erschwerten.
Das Gelingen der anglo- amerikanischen Invasion in der Normandie im Juni 1944
hatte letztendlich aber nur geringen Einfluss auf den Ausgang des Zweiten
Weltkrieges. Zu Übermächtig waren die sowjetischen Truppen im Osten und die
Materialüberlegenheit der Westalliierten. Dennoch vernichteten die alliierten
Truppen einen beträchtlichen Teil der kampfkräftigen deutschen Armeen und
ermöglichten sich damit selbst und mittelbar den Sowjets einen schnelleren
Vormarsch nach Deutschland.
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