|
|
|
| Hausarbeit
über die "Frauenarbeit" |
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit wird die Frauenarbeit zur Zeit der Industriellen Revolution
in England behandelt, wobei der Frauenarbeit in den Fabriken besondere Beachtung
geschenkt wird.
Zunächst werde ich kurz die Ursachen darlegen, die überhaupt erst zu
Fabriköffnungen geführt haben und die die Produktionsmethoden verändert
haben, und dann erklären, warum die Menschen in die Fabriken gingen und warum
Frauen dort überhaupt arbeiteten.
Dann werde ich mich mit der Frage beschäftigen, welche Frauen in den Fabriken
tätig waren, also mit Alter, Familienstand und Ähnlichem.
Darauf werde ich auf die Bereiche eingehen, in den sie tätig waren und die
Bedingungen beschreiben, unter denen sie arbeiteten. Am Ende werde ich noch auf
andere Tätigkeitsbereiche außerhalb der Fabriken eingehen.
Bei der mir vorliegenden Literatur zu dem Thema "Frauenarbeit während der
Industriellen Revolution in England" ist mir aufgefallen, dass sich vor
allem englische Frauen mit diesem Thema intensiv beschäftigen und beschäftigt
haben. Von Männer wird dies Thema häufig nur in allgemeinen Darstellungen kurz
angeschnitten. Die Frauen scheinen also ein großes Interesse an der
Vergangenheit ihrer weiblichen Vorfahren zu haben.
Besonders lebhafte und meiner Meinung auch sehr gute Darstellungen haben June
Purvis ("Hard Lessons") und Bonnie G. Smith ("Changing Lives")
geschrieben, auf die ich mich im Wesentlichen in meiner Arbeit stütze.
2.1. Ursachen
2.1.1. Agrarrevolution
Von Beginn des 18. Jahrhunderts an änderte die Industrielle Revolution die
Produktionswege und die Geschwindigkeit, in der die Güter die Märkte
erreichten. Der erste Schritt zur Industrialisierung war eine Veränderung in
der Landwirtschaft.
Die Bauern produzierten nicht mehr nur für sich selbst Lebensmittel, sondern
verkauften die Ware. So konnten Land- und Stadtbewohner diese konsumieren.
Dadurch wurde es möglich, daß genug Lebensmittel auf dem Land produziert
wurden, um eine industrielle Arbeiterschaft zu ernähren.
2.1.2. Kommerzielle
Revolution
Innerhalb der Kommerziellen Revolution ergaben sich neue Märkte, neue
Handelswege und neue Interessen der Konsumenten. Durch den Handelserfolg
entstand Kapital, und das Interesse an industriellen Unternehmen stieg. So
investierte man seinen Gewinn in den Aufbau erster Fabriken.
2.1.3. Technologische
Entwicklung
Seit Beginn des 18. Jahrhunderts wurden zahlreiche technische Errungenschaften
gemacht, die ihren Einsatz in den Fabriken fanden und eine Mechanisierung und
eine Teilung der Arbeit bedeuteten, das heißt, was früher Menschen mit
Körperkraft gemacht haben, führte nun eine Maschine aus, wobei jede Maschine
eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen hatte .Die Maschinen konnten von wenigen
Personen, meist einer bedient werden.
Dies hätte zur Folge haben können, dass mit Einführung der Maschinen die
"sexual division of labour" beendet worden wäre, denn ab da
übernahmen die Maschinen die früher körperlich schweren Arbeiten, doch dies
war in den meisten Fabriken nicht der Fall. Die Frauen wurden an den kleineren
Maschinen eingesetzt und wurden auch schlechter bezahlt. Doch darauf komme ich
später noch genauer zu sprechen.
Die technischen Neuerungen hielten zuerst in der Textilproduktion Einzug. In den
1730er
Jahren wurde das "flying shuttle" ('fliegendes Webschiffchen')
erfunden, ein wenig später die "spinning jenny" (Spinnmaschine), die
"mule jenny" (eine Verbesserung der ersten "jenny"), die
"water frame" und die "steam engine" (die Dampfmaschine).
2.1.4.Warum waren
gerade Frauen und Kinder in den Fabriken?
"They [sc. women and children] were adept with their fingers, more doctile
than men in their response to discipline, and cheaper to employ; and
manufactures were quick to see their advantages.", schreibt Briggs über
Fabriken in der Baumwollindustrie. Man hatte also sehr schnell die Vorteile von
Frauen- und Kinderarbeit erkannt: Man hielt sie für geschickter und für
fügsamer, und sie wurden im Durchschnitt geringer entlohnt.
Insgesamt betrug der Anteil der Frauen und Kinder in den Fabriken zwei Drittel
der Arbeiterschaft.
Außerdem war es für die Frauen anscheinend ganz selbstverständlich, in die
Textilfabriken zu gehen, um für den Lebensunterhalt zu sorgen, weil sie auch
schon früher in "cottage industry" (Heimindustrie) Textilien
verarbeitet hatten:
"Continuing their association with textiles, women began working in
factories and so did men. Many families could no longer survive on farm work
combined with cottage industry." Es war also für viele Familien nicht mehr
möglich, allein von der Landwirtschaft und Heimindustrie zu leben.
Aber junge, unverheiratete Mädchen arbeiteten meist auch gern in den Fabriken,
weil sie dort "more life" fanden. Sie lebten zwar noch zuhause und mussten
von ihrem Gehalt etwas abgeben, aber genossen auch, dass sie so
teilweise den Aufgaben im elterlichen Haus entkommen konnten: "...far more
women experienced the joy of at least a partial escape from their parents, and
from chores of caring for youngerbrothers and sisters." Außerdem
verdienten sie so ihr eigenes Geld, das sie entweder sparten oder für Kleidung
und "amusement" ausgaben.
2.2. Welche Frauen
arbeiteten in den Fabriken?
Die meisten Frauen, die in den Baumwollfabriken arbeiteten, waren jung und
ledig. So waren nach einer Schätzung 1851
nur 26% der Arbeiterinnen verheiratet oder verwitwet, 1870
waren es dann 33,3% und ab 1890
fiel der Prozentanteil der arbeitenden Ehefrauen und Witwen wieder.
2.2.1. Ledige Frauen
Die Frauen Englands im 19. Jahrhundert begannen schon in jungen Jahren zu
arbeiten, wenn sie noch unverheiratet waren. Aber sie waren nicht wie junge,
unverheiratete Männer in dem Sinne unabhängig, weil sie zu Hause auch noch
Pflichten hatten, so mussten sie sich zu Beispiel um ihre Eltern oder
Geschwister
kümmern. Sie arbeiteten in den traditionellen Berufen ("domestic service",
"millinery") oder in den neuen Berufen (Schulwesen, Fabriken).
2.2.1.1. Löhne
Die ledigen Frauen, die in den Fabriken arbeiteten, waren meistens in den
Baumwollfabriken tätig. Dort wurde die Arbeit relativ gut bezahlt, so erhielt
eine 36- bis 41-jährige Frau 1834
in den Baumwollfabriken von Lanca einen durchschnittlichen Wochenlohn von 9s 8d,
wobei der Lohn vom Alter der Arbeiterin und von der Anzahl der Webstühle, die
sie bediente, abhing. 1833
erhielt zum Beispiel eine 20-Jährige 13s bis 15s die Woche, eine 25-Jährige,
die an zwei Webstühlen arbeitete, 8s bis 9s und eine 18-Jährige, die an vier
Webstühlen arbeitete, 16s, wobei sie noch 3s an das Kind abgeben musste, das
ihr half. Am Ende des 19. Jahrhundert konnten Weberinnen, die vier Maschinen
bedienten, sogar 25s pro Woche verdienen. Im Gegensatz zu den Frauen in den
Baumwollfabriken wurden die Frauen in den Seidenfabriken jedoch schlecht
bezahlt. In Macclesfield bekamen die Frauen zwischen 7s und 10s wöchentlich
ausbezahlt, in Congleton 7s bis 10s, und in Halsead, Essex, sogar nur 5s. Zum
Vergleich: 10s bedeuteten für eine Frau, "'in comfort'" zu leben und
14s "'very comfortably 'so thats hecould easily lay by a shilling or two
everyweek'.".
2.2.2. Verheiratete
Frauen
Viele Frauen hörten mit Beginn ihrer Ehe auf zu arbeiten, doch sie mussten später oft wieder in den Beruf einsteigen, wenn ihr Mann arbeitslos wurde oder
verstarb. Insgesamt arbeiteten 33 bis 40% der verheirateten Frauen in den
Fabriken, und sie hörten erst im 40. oder 50. Lebensjahr auf, wenn ihre Kinder
alt genug waren, selbst zum Familieneinkommen beizusteuern. Doch die
werktätigen Ehefrauen waren durch Kinder und Ehemann einer extremen
Doppelbelastung ausgesetzt, so dass sie sich kaum spezialisieren konnten und so
die niedrigsten und schlecht bezahltesten Arbeiten in den Fabriken machten. Der
Prozentsatz von verheirateten Frauen als gelernte Arbeiterinnen war also sehr
gering. Viele Frauen verdienten Geld zum Familieneinkommen als Putzfrauen und
Wäscherinnen hinzu, oder sie nahmen Pensionsgäste auf, während ihre Kinder
noch klein waren.
Die Frauen, die in den Fabriken arbeiteten, waren häufig Ehefrauen von
Gelegenheitsarbeitern oder von Männern in schlecht bezahlten Stellungen.
Viele Fabriken stellten auch ganzen Familien ein, wobei der Vater - wie zuhause
- die Oberaufsicht hatte. Doch das war nur eine Übergangslösung. Die meisten
Familien im 19. Jahrhundert tendierten zu einer Heimindustrie, in der dann die
ganze Familie beschäftigt war.
2.2.3. Witwen
Wie vorhin schon dargestellt, verließen manche Frauen auch mit Beginn ihrer Ehe
die Fabriken, doch wenn der Mann verstarb oder arbeitslos wurde, waren viele
gezwungen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Dann wurden sie aufgrund mangelnder
Qualifikation und des relativ hohen Alters sehr schlecht bezahlt und
verrichteten nur die niederen Arbeiten.
2.3. In welchen
Bereichen waren sie tätig?
Zur Auswertung dieser Frage liegen mir zwei Tabellen vor, die die
Arbeitsbereiche der Frauen in England und Wales nach Schätzungen aus den Jahren
1851
und 1891
angeben.
Diese werde ich im Folgenden behandeln, wobei ich die Zahlen auf- bzw.
abgerundet habe, um den Lesefluss nicht allzu sehr zu beeinträchtigen.
Als Erstes fällt auf, dass die Frauen keineswegs überwiegend in den Fabriken
arbeiteten, sondern dass vielmehr der Großteil der Frauen im Dienstbotenwesen
tätig war. Von den rund 1.58 Mio. berufstätigen Frauen im Jahre 1851
waren 880.000 als Bedienstete tätig, 230.000 als Hutmacherinnen, 200.000 waren
in den Baumwollmanufakturen beschäftigt, 130.000 als Wäscherinnen oder
Manglerinnen, jeweils ca. 70.000 arbeiteten in den Seidenmanufakturen oder als
Lehrerinnen. Ungefähr 56% waren also im Dienstbotenwesen beschäftigt, 32% der
Frauen dagegen nur in der Textilindustrie.
Im Jahre 1891
standen insgesamt 2.55 Mio. in einem Arbeitsverhältnis, wobei 54% als
Bedienstete tätig waren und 33% in der Textilindustrie. Dieses Verhältnis
blieb also nahezu konstant.
Von 1891
bis 1911
stieg die Zahl der Frauen, die in den Manufakturen und im Transportwesen
beschäftigt waren, um 40%, wohingegen die weibliche Bevölkerung nur um 24%
anstieg.
Die zweite Tabelle von einer Schätzung von 1891
zeigt deutlich, dass in den 'typischen' Männerberufen auch überwiegend Männer
tätig waren. Nur einige Beispiele: Von den Schuhmachern waren nur rund 15%
Frauen, von 1000
Grubenarbeitern in den Kohlebergwerken war nur jeder 6. Arbeiter eine Frau, bei
den Schmieden war sogar nur jeder 4. Arbeiter von 1000
eine Frau. Aber es ist bemerkenswert, dass in den gelernten Berufen Frauen
tätig waren.
2.4. Unter welchen
Bedingungen arbeiteten sie?
2.4.1. Tätigkeiten
Nachdem jetzt dargestellt habe, wie die zahlenmäßige Verteilung der Frauen in
den Berufen war, möchte ich im Folgenden kurz auf die Tätigkeiten der Frauen
in der Textilindustrie eingehen, weil dort neben dem Dienstbotenwesen - wie
zuvor dargestellt - der größte Teil der Frauen beschäftigt war.
Im 18. Jahrhundert wurde das Spinnen zum Beispiel noch in Männer- und
Frauenarbeit getrennt: Die Frauen spannen die Wolle, und die Männer knüpften
oder strickten sie. Doch mit der Mechanisierung änderte sich das, die Frauen
und Kinder übernahmen die Web-, Strick- und Knüpfarbeiten durch die Maschinen.
In Auffay waren 1851
Weberinnen dreimal häufiger als Weber zu finden. Doch die Mechanisierung der
Textilindustrie brachte auch noch eine andere Entwicklung mit sich: Bei
Baumwollenspinnen wurden die Frauen an den kleinen Maschinen, wie an der "jenny"
eingesetzt, den Männern hingegen wurde die wesentlich effektivere "mule"
anvertraut. Nebendereigentlichen Arbeitsteilung fand doch eine "sexual
divison of labour" statt. Als in Coventry neue Webmaschinen eingeführt
wurden, teilte man Männer und Frauen ganz bewusst. Die Männer durften an den
neuen Maschinen arbeiteten undgaltenals"skilled", jedoch die Frauen mussten
weiterhin an den alten Maschinen sitzen und galten somit als "unskilled".
Als Begründung für den Einsatz der Männer an den besseren und lukrativen
Maschinen nannte man "women's weaker physical capacity and inferior
intellegence".
Diese unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen variierte zwar von
Region zu Region, doch sie bestand überall. Sehr oft führten sie Arbeiten wie
das Reinigen von Rohmaterialen aus.
Das Resultat dieser Trennung von ungelernter Frauenarbeit und gelernter
Männerarbeit liegt auf der Hand: Unterschiedlich hohe Löhne.
2.4.2. Entlohnung
Wie schon erwähnt, waren den Frauen in den Fabriken die niedrigen Arbeiten
zugeteilt worden. Der Durchschnitt der industriellen Arbeiterinnen bekam etwa
zwei Fünftel von dem, was die Männer die den Fabriken ausgezahlt bekamen. Am
wenigsten haben die verheirateten und älteren Frauen verdient: "...their
work was considered as temporary or supplementary, a factor that contributed to
a disparity between men's and women's wages." Ihre Arbeit galt also als
eine befristete, provisorische Ergänzungstätigkeit für den Arbeitsvorgang an
sich und auch für das Familieneinkommen. Und so sah man sich wohl nicht
genötigt, den Frauen, die man (siehe oben) [Mann!] sowieso für schwächer und
dümmer hielt, qualifizierte Arbeit zuzuteilen, und sie gleich oder sogar höher
als die Männer zu entlohnen.
2.4.3. Fabrikalltag
Wie sah es in den Fabriken nun im Einzelnen aus? Die Industriellen hatten ein
vorrangiges Ziel: Eine möglichst profitable Produktion. Um das zu erreichen,
verlangten sie, dass ihre Arbeiter diszipliniert bis zu ihrem Äußersten
arbeiteten.
"Any relaxation of discipline would lead to catastrophe" dachten die
Industriellen. Doch gerade die Disziplin war für die meisten Arbeiterinnen und
Arbeiter ein Problem: Hatten sie doch früher auf dem Land gearbeitet, wo ihr
Leben, ihre Arbeit und ihr Arbeitsrhythmus vom Wetter und von anderen Faktoren
abhing. Doch nun wurde das alles von Maschinen und von der Uhr bestimmt.
So war man sehr streng mit den Arbeitern in den Fabriken. Die Arbeit begann in
den frühen Morgenstunden, und schon eine Verspätung von wenigen Minuten
bedeutete eine empfindliche Geldstrafe. Auch ein kurzes Gespräch während der
Arbeit oder eine andere kurze Unterbrechung der Tätigkeit konnte mit dem
Verlust eines Tages- oder sogar eines Wochenlohnes geahndet werden. Anzeichen
von Trunkenheit wurden ebenfalls bestraft. Hatte es sich früher bei den
Landarbeitern eingebürgert, den Montag nach den üblichen wochendlichen
Saufgelagen 'blau' zu machen ("Saint Monday"), so behielten sie diese
Gewohnheit bei.
Um die Disziplin und den Anstand zwischen den Fabrikarbeiterinnen und -arbeitern
zu gewahren, wurden in katholischen Regionen Nonnen zur Überwachung
eingestellt.
Bei der Arbeit in den Textilfabriken waren die Arbeitskräfte wegen der großen
Wärme, die die Maschinen ausstrahlten, und wegen der hohen Feuchtigkeit, die zur
Textilproduktion nötig war, nur sehr spärlich bekleidet.
Wie ich zuvor schon ausgeführt habe, wurden die Männer und Frauen an
verschiedenen Maschinen von unterschiedlicher Effektivität eingesetzt, es
existierte also eine "rule of sexual repression".
2.4.4. Arbeitszeiten
Die Frauen - und auch die Kinder - waren viele Stunden täglich in den lauten
Fabrikenhallen an ihren komplizierten Maschinen tätig. Wenn ganze Familien in
den Fabriken beschäftigt waren, arbeiteten die Kinder genauso lange wie ihre
Eltern: 12 bis 14 Stunden. Doch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die
Arbeitszeiten für Kinder und Frauen langsam gesenkt. 1844
wurde der Arbeitstag einer Frau durch ein Gesetz (1844 Act) auf 12 Stunden
beschränkt. Außerdem wurde gleichzeitig die Nachtarbeit für sie untersagt.
Drei Jahre später wurde das "Ten Hour Bill" verabschiedet, aber da es
nicht genau ausformuliert war, wurde es durch ein "relay system"
(Ablöse-Verfahren an den Maschinen) von den Arbeitgebern umgangen.
1850
und 1853
wurde jedoch dann in zwei Gesetzen der Arbeitstag von Frauen und Kindern auf
zehn Stunden endgültig beschränkt, doch auch hier boten sich Möglichkeiten,
dies zu umgehen.
2.4.5. Körperliche
Auswirkungen
Da - wie oben beschrieben - die Frauen in der Textilproduktion nur sehr wenig
Kleidung trugen und in einer warm-feuchten Atmosphäre arbeiteten, waren sie
auch sehr anfällig für Krankheiten. Gerade in den Wintermonaten, wenn sie so
dünn bekleidet ihren Arbeitsplatz verließen und nach draußen in die Kälte
gingen, erkälteten sie sich schnell. Sie konnten sich auch sehr leicht mit
Krankheitserregern infizieren, weil sie in den Fabriken verunreinigtes Wasser
tranken oder von Insekten beschmutzte Nahrung zu sich nahmen. Viele Frauen, die
in den Fabriken arbeiteten, erkrankten auch an Tuberkulose, einer typischen
Lungenkrankheit, häufig infolge von Überarbeitung. In den frühen 1850er
Jahren starben daran in Oldham doppelt so viele Frauen wie im nationalen
Durchschnitt.
Die Gruppe, die am stärksten betroffen war, waren die Frauen zwischen 25 und
43, also genau die, die altersmäßig auch am häufigsten in den Fabriken
vertreten waren. Ein Achtel der Frauen starb in Oldham in dieser Alterklasse,
und über ein Drittel arbeitete in den Fabriken. Als weitere Todesursachen
werden Typhus, andere Lungenkrankheiten und Scrofula genannt.
Die Maschienisierung der Fabriken brachte ebenfalls ihre Gefahren mit sich.
Häufig verletzten sich Frauen und Männer bei Unfällen an den Maschinen an
ihren Gliedmaßen oder Fingern. Ganz besonders gefährlich war es für die
Frauen, die direkt an den Maschinen arbeiteten, denn manchmal gerieten sie mit
ihren Brüsten oder mit ihren langen Haaren in die Maschinen. Ergriff die
Maschine erst mal die Haare, so konnte die ganze Kopfhaut aufgerissen werden.
Ständiges Arbeiten an einer Nähmaschine hatte auch oft Skelettdeformierungen
zur Folge, was spätere Schwangerschaften erschwerte.
Staub, der bei der Textilproduktion entstand, griff Haut und auch innere Organe
an, und das schlechte Licht, unter dem oft gearbeitete wurde, verdarb die Augen
und konnte bis zur Erblindung führen. Wäscherinnen litten auch unter
vereiterter Haut und Krampfadern.
Insgesamt forderte die Fabrikarbeit den Arbeitern viel ab, die Arbeit war
anstrengend und ein Gesundheitsrisiko. Sie wurden als "thin and spare, but
not emaciated" beschrieben. Als Fabrikarbeiter musste man aber nicht nur
körperlich abgehärtet sein, sondern man musste auch seine monotone Aufgabe
ertragen, denn jeder hatte aufgrund der Arbeitsteilung immer ein und denselben
Arbeitsvorgang zu verrichten. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Wohl der
Arbeiterinnen und Arbeiter zu dieser Zeit Nebensache war, "Productivity was
the only priority". Erst später richtete sich die Aufmerksamkeit der
Industriellen auf die Gesundheit ihrer Beschäftigten.
3. Wo arbeiteten
Frauen noch?
3.1. Bergwerke
Zum Abschluss der Arbeit werde ich noch kurz auf zwei andere Tätigkeitsbereiche
der Frauen zur Zeit der Industriellen Revolution in England eingehen: Die Bergwerke
und das sogenannte "domestic service" (Dienstbotenwesen).
Obwohl nur ein sehr geringer Anteil der Frauen in den Bergwerken arbeitete, ist
die Tatsache, dass Frauen im 19. Jahrhundert eine so schwere Arbeit
verrichteten, charakteristisch für dieses Zeit. Man verbindet mit dem
industriellen England als erstes das Bild der Frauen und Kinder in den Gruben,
und deshalb halte ich es für sinnvoll, dies kurz darzustellen.
In den englischen Kohleminen arbeiteten in den 1840er
Jahren schätzungsweise 6000 Frauen. Nach der Schätzung von 1891
waren es ungefähr 3300 Frauen, was gegenüber rund 514.000 Männern einem
Prozentanteil von nur 0,6% entspricht. Sie waren im Gegensatz zu den
Baumwollfabriken also zahlenmäßig nur sehr gering vertreten. Aber es ist
dennoch erstaunlich, dass sie dort - ebenso wie die Kinder - überhaupt tätig
waren, denn die Arbeit dort war um einiges schwerer und schmutziger als in den
Fabriken. Wie in den Baumwollfabriken, so waren auch in den Kohleminen zum Teil
ganze Familien beschäftigt. Denn für den Transport der Kohle in den Schächten
wurden kleine, dünne Arbeiter benötigt, und so engagierte man die Kinder und
junge Frauen der Arbeiter, die die Kohle auf kleinen Wagen oder in Körben vom
Schacht bis zum Grubeneingang schleppten. Häufig waren auch Witwen von
früheren Grubenarbeitern dort beschäftigt, die ansonsten keine Unterstützung
erhielten. Sie trugen bei der Arbeit Hosen und dünne Bekleidung wegen der
großen Hitze in den Gruben. Die Arbeitszeit betrug zwölf Stunden, und oft
wurde auch in der Nacht gearbeitet.
3.2. "Domestic
service" (Hausangestellte)
Wie zuvor schon dargestellt, arbeiteten die meisten (unverheirateten) Frauen in
England im 19. Jahrhundert als Hausangestellte. Deshalb halte ich es für
notwendig, auch auf diesen Berufszweig kurz einzugehen.
Als es zu Beginn des 19. Jahrhundert immer populärer wurde, Bedienstete
anzustellen, gingen viele Frauen vom Land in die Stadt, um dort ihr Geld zu
verdienen. Zum Teil wurden die jungen Frauen auch von ihren Vätern in die Stadt
geschickt. Dort waren die Mädchen zwar als Dienerinnen tätig, doch sie
verdienten vergleichsweise gut, wohnten im Hause ihrer Herrschaften, wurden
versorgt und waren in Sicherheit. So 1861
arbeitete in London jede dritte Frau zwischen 15 und 24 Jahren als Hausmädchen.
Doch die Arbeit war auch hart für die Bediensteten. Häufig waren sie 'Mädchen
für alles', das heißt sie waren für alles im gesamten Haus zuständig:
Feuermachen, Schuhe putzen, die Zimmer lüften und aufräumen, abwaschen, Essen
kochen, Wäsche waschen, u.s.w. Die knapp bemessene Freizeit wurde meistens von
ihren Arbeitgebern überwacht. Es gibt auch Fälle, in denen die Angestellte mit
Schlägen von den Arbeitgebern traktiert wurden. Waren mehrere Bedienstete in
einem Haushalt tätig, so existierte eine Hierarchie: Die Haushälterin, die
Kammerzofe und die Köchin wurden am höchsten bezahlt.
4. Anhang
4.1. Anhang 1
Die häufigsten Berufe von Frauen in England und Wales, 1851
und 1891:
|
|
| Bezeichnung
|
1851 |
1891 |
Bezeichnung |
|
Hausangestellte |
882.699 |
1.386.167 |
Hausangestellte |
|
Hutmacherin |
234.340 |
415.961 |
Hutmacherin,
Damen-Schneiderin |
|
Baumwollmanufaktur |
194.910 |
332.784 |
Baumwolle,
Baumwollgüter, Manufaktur |
|
Waschen,
Reinigen, Mangeln |
133.476 |
185.246 |
Bade- und
Waschdienst |
|
Seidenmanufaktur |
68.342 |
|
|
|
Unterrichten |
66.909 |
144.393 |
Lehrerin,
Professorin |
|
|
89.244 |
Schneiderinnen
|
4.2. Anhang 2
Einige Berufe von Frauen und Männern in England und Wales, 1891:
|
|
|
Beruf
|
Frauen |
Männer |
|
Schuhmacher |
46.141 |
248.789 |
|
Arbeiter,
Landwirtschaft, Knecht/Magd |
24.150 |
709.283 |
|
Bänker |
17.859 |
247.299 |
|
Grubenarbeiter/Kohle |
3.267 |
513.843 |
|
allg.
Arbeiter |
1.947 |
594.128 |
|
Schmied |
500 |
139.524 |
|
Seemann,
Kaufmannsdienst, Lotse |
389 |
107.445 |
|
Tischler,
Schreiner |
348 |
220.661 |
|
Abbruchunternehmer,
Händler, Schädlingsbekämpfer |
152 |
2.082 |
|
Maurer |
66 |
130.380 |
|
Wildhüter |
3 |
130.380
|
|