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 Einrichtung von Festen und Festablauf in der Kaiserzeit:Die Demostheneia von Oinoanda

1. Einleitung
Im Jahre 1967 fand Jürgen Borchhardt auf einer Reise durch Lykien eine Stele mit einer Inschrift, die zu der Zeit noch nahezu unversehrt war. Sie hat die private Stiftung eines Agons in der lykischen Kleinstadt Oinoanda mit dem Namen Demostheneia zum Inhalt.
Die Stadt Oinoanda lag zwischen dem Fluß Xanthos (heute: Koca Çayi) und der Stadt Emali. Die Stele ist insgesamt 187 cm hoch, 105 cm breit und 25 cm tief und umfaßt 117 Textzeilen in fehlerfreiem Griechisch. Nur einige Stellen sind nicht rekonstruierbar, da die Stele an zwei Stellen durchbohrt worden war, um möglicherweise als Brunnenplatte zu dienen.
Dieser Agon ist vermutlich ziemlich bedeutungslos gewesen, er gehörte nicht zu der Gruppe der großen koinÀ Lykiens, er war kein heiliger Agon und auch Oinoanda war eine kleine, unbedeutende Stadt.
Doch was diesen Agon ungemein interessant macht, ist eben diese Inschrift. Denn dort werden in einer bisher nicht gekannten Präzision ein Agon mit der Stiftungsidee und dem Festpersonal, sowie dem Ablauf und den Preisen angeführt.
Dieser musische Agon in Kleinasien aus der römischen Kaiserzeit soll im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit stehen, doch es soll auch der Frage nachgegangen werden, ob und inwiefern er sich in seinem Aufbau an die hellenistische Tradition und somit an die großen, klassischen Vorbilder anlehnt. Zur Beantwortung dieser Frage wird einleitend zunächst versucht, die Tradition der musischen Agonistik, d.h. ihr Ursprung und ihre Geschichte bis in die römische Kaiserzeit, nachzuzeichnen, um dann nahezu übergangslos die Demostheneia als einen typisch privat gestifteten, aber klassisch orientierten Agon vorstellen zu können.

 

2. Die Tradition der musischen Agone

2.1. Musische Agonistik im griechischen Mutterland

2.1.1. Überblick
Neben gymnischen und hippischen Agonen erfreuten die Griechen in der vorklassischen und klassischen Zeit auch die musischen Agone.
Musische Agone zwischen Göttern oder zwischen Gott und Halbgott oder Mensch sind ebenfalls ein beliebtes Motiv in der griechischen und römischen Mythologie. Ein bekanntes Beispiel ist sicherlich bei Ovid und anderen Autoren der Wettstreit im Flötenspiel zwischen Apollon und dem Satyr Marsyas, der den Anführer der Musen zu einem Wettkampf herausfordert, besiegt wird und schließlich wegen seiner Hybris dem Gott gegenüber von diesem gehäutet wird.
Die Möglichkeit zur musischen Darbietung bot schon seit jeher der Götterkult, der mit Opfern, Prozessionen und anderen Kulthandlungen unter Musikbegleitung von gottesdienstlichen Chören betrieben wurde, aus denen sich schließlich die ersten Agone entwickelten.
Doch der eigentliche Anlass musischer, aber auch hippischer und gymnischer Agone findet sich in der Totenverehrung. Schon Homer berichtet von derartigen Spielen zu Ehren der Gefallenen.
Bereits aus dem achten Jahrhundert v. Chr. gibt es erste Nachrichten von Hesiod über die Abhaltung eines überregionalen musischen Agons aus eben diesem Anlass: In Chalkis wurden die Leichenspiele zu Ehren des Amphidamas von seinen Söhnen abgehalten. Auf Delos wurden etwa zeitgleich die ersten Apollonien-Delien und in Messene die Ithomaiaveranstaltet. Auch die Gründung der Spiele von Paros fallen eventuell in diesen zeitlichen Rahmen. Im siebten Jahrhundert dehnte sich der musisch-agonale Gedanke mehr auf das Festland, genauer: auf Mittelgriechenland und die Peloponnes, aus und es wurden neue Agone in Argos (Endymatia), Arkadien (Apodeixeis) und Sparta (Karneen) ins Leben gerufen.
Im darauffolgenden Jahrhundert schließlich fanden zum ersten Mal in Delphi die Pythienstatt. Etwa zur selben Zeit hatte gerade in Attika die Gründung musischer Agone Hochkonjunktur, wie zahlreiche neue Spiele belegen: in Brauron die Brauronien, in Sikyon die Pythien, in Athen die Apaturien, die Anthesterien und die Panthenäen. Ebenfalls in Athen fanden im fünften Jahrhundert erstmals die Epitaphien statt. Auch in dieses Jahrhundert fallen die ersten Spiele von Epidauros (Asklepieia) und die von Samos (Heraia-Lysandria). Im vierten Jahrhundert v. Chr. kamen noch die Amphiaraiain Oropos und in Eretria die Artemisia hinzu.
Die Entstehung der musisch-agonistischen Tradition ist demnach im ionisch-äolischen Raum anzusiedeln, wobei sich die Musikzentren allmählich auf das Festland verlagerten.

2.1.2. Programm und Siegespreise
Inschriften von musischen Festen auf dem griechischen Festland aus dem vierten und dritten Jahrhundert v. Chr. lassen meist ein bestimmtes Ablaufschema erkennen: Ein Agon, der auch gymnische und hippische Partien beinhaltete, begann meist mit dem musischen Part, auf den der gymnische und dann der hippische folgte. Der musische Agon verlief vom Schema her etwa wie folgt: Zunächst traten die Rhapsoden auf, dann folgten die Vorträge einzelner Solisten, darauf chorlyrische Darbietungen und zum Schluss dramatische Aufführungen. Doch diese Reihenfolge wechselte von Fest zu Fest und wurde auch durch neuhinzukommende Darbietungen wie durch die Vorträge von Enkomien oder durch szenische und thymelische Agone erweitert.
Um im Verlauf der Arbeit einen Vergleich mit den Demostheneia zu ermöglichen, soll an dieser Stelle exemplarisch ein recht bekannter, überregionaler musischer Agon der klassischen Zeit in aller Kürze mit seinem Programm und seinen Siegespreisen vorgestellt werden: die Panathenäen.
Das Fest wurde zu Ehren der Stadtgöttin Athene vermutlich schon seit dem siebten Jahrhundert v. Chr. alljährlich gefeiert, dann aber 566/565 v. Chr. neu organisiert und seitdem im penteterischen Zyklus abgehalten.
Für die Panathenäen ab dem 5. Jahrhundert ist dank einer teilweise erhaltenen Preisliste und anderer Schriftquellen noch genaueres überliefert, bzw. ist ein Programm gut rekonstruierbar:
Der musische Agon begann vermutlich mit den Rhapsoden, auf die die Paroden folgten. Anschließend traten die jungen Auloden auf, nach denen die pa»deV kiqaristaÄ an der Reihe waren. Etwa in der Mitte des Agon waren die Kitharöden als eigentlicher Höhepunkt platziert, was an der Höhe des Preisgeldes für den Sieger zu erkennen ist, der einen goldenen Kranz, 1000 Drachmen und 500 Silberdrachmen betrug. Die nächsten beiden Programmpunkte beinhalteten die Auftritte der àndreVaÖlvdoÄ und der àndreV kiqaristaÄ. Die Darbietungen der Solisten klangen mit denen der Flötenspieler, der Auleten, aus. Die Knaben- und Männerchöre bildeten insgesamt den Abschluss des musischen Agons.

2.2. Musische Agonistik im griechischen Osten zur Kaiserzeit

2.2.1. Überblick
Die Tradition der griechischen Agone nahm aber mit der römischen Machtübernahme 146 v. Chr. kein abruptes Ende, sondern wurde von den Römern gebührend weitergeführt. So lebte auch besonders in den ersten beiden Jahrhunderten der römischen Kaiserzeit die alte griechische Agonistik - nicht ohne Zutun der Kaiser selbst - weiter. Oder mit Horaz' Worten: Graecia capta ferum victorem cepit et artis / intulit agresti Latio.
So wurden beispielsweise zu Ehren des Augustus und seines Seesieges über Kleopatra und Marcus Antonius an vielen Orten Aktia begangen oder unter Domitian die Kapetolia zu Ehren des Iuppiter Capitolinus in Rom eingerichtet. Beide Spiele wurden gleichrangig zu der alten panhellenischen perÄodoV, bestehend aus den Olympischen, Pythischen, Isthmischen und Nemeischen Spielen, eingestuft. Noch direkter in den Bereich der Herrscherverehrung gehörten die Agone, die den Kaisern gewidmet waren wie die Kaisarea, Augusteia oder die Sebasmia.
Nero verband neben seiner Neigung zu Wagenrennen eine besondere Liebe zur musischen Agonistik: Er stiftete nicht nur neue Agone, sondern nahm auch aktiv an ihnen als Kitharöde, Sänger und Schauspieler teil.

2.2.2. Renaissance der agonalen Idee unter Hadrian
Doch nahezu eine "Renaissance des Hellenentums" bewirkte Hadrian mit seiner ausgeprägten Liebe zur griechischen Kultur, derzufolge man ihm schon im Jugendalter den Beinamen Graeculus gab. Diese Liebe zur griechischen Kultur schloss natürlich auch die Liebe zum alten agonalen Geist ein, den er nicht wie beispielsweise seine Vorgänger Nero und Domitian mit den Füßen trat. Mit sehr viel mehr Feingefühl trennte er die römischen ludi, die er nach wie vor in Rom und im westlichen Teil des Reiches veranstalten ließ, von den alten griechischen Agonen, deren Renaissance er im gesamten griechischen Raum, d.h. im Mutterland und im griechischen Osten, - wohl vor ihm beispiellos - einleitete.
Mindestens dreimal bereiste er Griechenland in den Jahren von 124 bis 132 n. Chr. und drückte seine tiefe Zuneigung besonders zur Stadt Athen durch spendable Neubauten in der Stadt aus. Doch auch Kleinasien wurde von Hadrian im Jahr 124 n. Chr. bereist. Seine "Lieblingsbeschäftigung" auf diesen Reisen lässt sich kurz mit einem Satz umreißen: In omnibus paene urbibus et aliquid aedificavit et ludos edidit.
Neben der bekannten Gründung der Panhellenien in Athen dürften mit den ludidie zahlreichen Hadrianeia gemeint sein, von Hadrian persönlich systematisch neugegründete Agone in Griechenland, Syrien, Ägypten und auch in Kleinasien. Doch Hadrians Interessen beschränkten sich nicht nur auf den formalen Akt, oft kümmerte er sich selbst um die Programmgestaltung und um die Auswahl geeigneten Personals und führte den Vorsitz bei den Spielen.
Um wiederum eine Vergleichsmöglichkeit zu den Demostheneia von Oinoanda zu haben, wird im Folgenden ein typischer von Hadrian gestifteter Agon mit seinem Programmablauf vorgestellt.

2.2.2.1. Programm und Charakter der Hadrianeia von Ephesos
In Ephesos, der Hauptstadt der römischen Provinz Asia, ließ Hadrian 123 oder 124 n. Chr. erstmals eine der in Kleinasien zahlreichen Hadrianeia abhalten, die bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts durch 25 Inschriften bezeugt werden und somit mindestens 140 Jahre stattfanden.
Von den Olympien in Ephesos, unter deren berühmten Namen - wie auch Pythienund Nemeen - es etliche in Kleinasien unter Anlehnung an die klassische perÄodoV gab, unterscheiden sich die Hadrianeendadurch, daß zwar beide eine gymnische Partie beinhalteten, aber nur die Hadrianeenauch eine musische. Die Hadrianeen von Ephesos wurden mit den Wettstreiten der Herolde und Trompeter eröffnet. Daran schlossen sich die gymnischen Agone an, bestehend aus dem stÀdion, dem dÅlicoV, dempÁntaqlon, der pÀlh und dem pagkrÀtion. Danach wurden die musischen Agone abgehalten, in denen die pythischen Flötenspieler, die Flötenspieler mit Singchor, die Kitharöden und seit Ende des zweiten Jahrhunderts n. Chr. auch die Redner gegeneinander antraten. Hier wurde im Gegensatz zu den zuvor vorgestellten Panathenäen der gymnische Part vor dem musischen abgehalten.
Dieser Agon ist vermutlich ein ganz typischer Vertreter seiner Art in der römischen Kaiserzeit. Er wurde im penteterischen Zyklus abgehalten und führte auch die Apposition megÀla bei sich, vermutlich, um sich von den nach wie vor einjährig abgehaltenen Spielen in Ephesos zu unterscheiden. Zudem galten die Hadrianeenals heilig (ÜerÅV) und Kranzagon ( Ð.stefanÄthV), waren iselastisch und ökumenisch, d. h. "weltoffen" oder modern ausgedrückt: "international", eine Bezeichnung für eine besondere Gruppe von Spielen, die erst seit Hadrian unter diesem Namen so geführt wurden.
Insgesamt waren die Agone für die einzelnen Städte von großer Bedeutung. In Kleinasien fand fast in jeder Stadt irgendein Agon in Verbindung mit dem Kaiserkult statt, der dann meist mit öffentlichen Mitteln finanziert wurde.
Doch ganz typisch für die östlichen Provinzen in der Kaiserzeit ist die Begründung eines Agons durch eine private Stiftung. Eben ein solche private Stiftung hat die Inschrift über die Demostheneia von Oinoanda zum Thema.

3. Die Stiftung des Iulius Demosthenes
Zunächst ist anzumerken, dass der Begriff "Stiftung" im Zusammenhang mit den Demostheneia eine Doppelbedeutung hat und somit von zwei Seiten zu beleuchten ist.
Zum einen meint "Stiftung" die Einrichtung oder Gründung z.B. eines Festes im juristischen Rahmen, das dann andauernd und selbständig weitergeführt werden kann. Im größeren Rahmen umschreibt der Begriff "Stiftung" also die formale, juristische Einrichtung eines Agons, den Akt, durch den er überhaupt ins Leben gerufen wird.
Im weiteren Sinne wird mit "Stiftung" zum anderen aber auch die Finanzierung, modern: das Sponsering, oder die Schenkung einer Sache oder einer Einrichtung, in diesem Fall eines Festes, umrissen. "Stiftung" meint hier "Schenkung", "Spende" oder "Finanzierung".
Unter den folgenden zwei Punkten "Vorgang und Beteiligte" wie "Finanzierung und Sachspenden" soll nun versucht werden, dieser Doppeldeutigkeit gerecht zu werden, indem die Stiftung des Iulius Demosthenes je nach ihrer Bedeutung untersucht werden wird.

3.1. Vorgang und Beteiligte
Wie eben kurz dargelegt, kann man den formalen, juristischen Akt der Gründung eines Festes als Stiftung bezeichnen. Doch welche Schritte mussten im einzelnen nun gegangen werden, um einen Agon zumindest erst einmal "auf dem Papier" zu realisieren?
Gaius Iulius Demosthenes, ein prominenter römischer Bürger aus der lykischen Kleinstadt Oinoanda, kündigte schriftlich am 25. Juli 124 n. Chr. in einer sogenannten Stiftungsepangelie die Stiftung eines thymelischen Agons an (Z. 6 - 46).
In dieser Stiftungsepangelie faßt Demosthenes kurz seine bisherigen Leistungen für die Stadt zusammen, kündigt dann sein Fest mit dessen Namen, der Periodizität, dem Termin und den vorgesehenen Finanzierungsplan an und droht Strafen an bei Missachtung einer seiner Anweisungen bezüglich der Schenkung. Des weiteren bestimmt er das Amt eines Agonotheten, dessen Titel und Amtszeit und ein Teil seiner Aufgaben, die Preise für die jeweiligen Veranstaltungen und die genaue Abfolge des Agons, den Demostheneia.
Dieses Schreiben muss Demosthenes dann zu Hadrian, der sich zu der Zeit gerade in Ephesos aufhielt, geschickt haben, denn, wie die Inschrift zeigt, der Kaiser hat bereits einen Monat später ein Bestätigungsschreiben gesandt, das auf der Stele die Zeilen eins bis sechs einnimmt. Die Dokumente auf der Stele sind also hierarchisch, nicht chronologisch geordnet.
Hadrian lobt in diesem Schreiben das Vorhaben des Stifters, bekräftigt es (bebai¾, Z. 4) und erklärt die Strafen für rechtskräftig. Ganz nebenbei bezeichnet er den Agon als "musisch" im Gegensatz zu Demosthenes, der die Demostheneia für "thymelisch" hält. Der Kaiser hat also stillschweigend den kleinen Fehler des Demosthenes korrigiert. Diese Korrektur wurde auch in den folgenden Schreiben des Rates und der Volksversammlung übernommen.
Diese Epangelie hat ein gewisser Komon, Sohn des Kroisos, am 4. Juli 125 n. Chr. in einer Ratssitzung vorgebracht, wie in dem Ratsbeschluss auf der Stele zu lesen ist (Z. 46 bis 102). Also knapp ein Jahr nach Demosthenes' erster Ankündigung bestätigte der Rat dessen Vorhaben und auch das Schreiben des Kaisers Hadrian.
Der Rat bestätigte teils die Beschlüsse des Demosthenes, teils modifizierte und ergänzte er sie.
Aus dem Ratsbeschluss geht auch noch indirekt hervor, dass Demosthenes noch eine zweite Stiftung - vielleicht diesmal nur mündlich vor dem Rat - in Form von Sachspenden angekündigt haben muss: eine goldene Krone mit Portraits des Hadrian und des Apollon und einen versilberten Tragealtar mit der Stifterinschrift (Z. 52 bis 54).
Ganz neu im Gespräch scheinen auch die Steuerfreiheit (ÐtÁleia), die während der Demostheneia herrschen sollte, und die Amtsverschonung des Agonotheten (vacatio muneris) zu sein, die beide erst in der Ratsurkunde zum ersten Male schriftlich Erwähnung finden. Doch vielleicht wurden auch diese Punkte in der zweiten Epangelie von Demosthenes angesprochen, verhandelt und dann bestätigt.
Nach der Bestätigung des Kaiser und des Rates musste dann - laut Ratsbeschluß - die der Volksversammlung eingeholt werden. Außerdem sollten in der Volksversammlung Gesandte gewählt werden, die beim Statthalter wegen der Privilegien der vacatio muneris und der ÐtÁleia vorstellig werden sollten, da mit diesen Punkten vermutlich der Amtsbereich der lex provinciae berührt wurde.
Die Bestätigung der Volksversammlung und die subscriptio des Statthalters sind schließlich auch die letzten Dokumente auf der Stele.
Die Stiftungsepangelie ging also durch viele Hände, und es dauerte mindestens ein Jahr, bis der Agon formal stand. Beteiligt an diesem Vorgang waren also, wie gerade dargelegt, der Stifter Demosthenes selbst, der mindestens zweimal aktiv war und sehr viele Einzelheiten zum Verlauf des geplanten Agons festlegte, der Kaiser, der das Vorhaben guthiß und die Strafen bestätigte, der Rat der Stadt, der viele Kleinigkeiten zum Agon bestimmte, die Volksversammlung, der lediglich die Rolle des Bestätigers zukam, und der Statthalter, der wichtige Privilegien bestätigen musste, die bereits in den politischen Bereich, also in den seinen fielen. Auch in der Antike verlief es also nicht immer "unbürokratisch" und zügig.

3.2. Finanzierung und Sachspenden
Demosthenes stellte in seiner Stiftungsepangelie in Aussicht, einen Agon zu stiften. Diese Stiftung bezieht sich auf mehrere Bereiche. Zunächst wurde ein bestimmtes Kapital zur Verfügung gestellt, aus dem vorwiegend die Siegespreise und die Gehälter für professionelle Darbietungen bezahlt wurden.
Der Stifter hatte folgendes Finanzierungsmodell im Sinne: Er oder später seine Familie wollten ab dem kommenden Januar pro Jahr 1000 Denare aufbringen, die einem von der Stadt gewählten Eikosaprotos übergeben wurden (Z. 14ff.). Der wiederum legte das Geld zu einem Zinssatz von 7,5% bis zum Beginn des Agons an. Nach einem Vierjahreszeitraum, in dem der Agon stattfinden sollte, kamen also mit Zinsen und Zinseszins insgesamt 4450 Denare zusammen, auf deren Verwendung an anderer Stelle noch genauer eingegangen wird. Vermutlich war diese Art der Finanzierung durch privates Geld der Familie nur als Provisorium und kurzfristige Übergangslösung gedacht, denn der eigentliche, langfristige Plan des Demosthenes sieht vor, später Ländereien anzuweisen, die die 1000 Denare pro Jahr aufbringen sollten. Somit wäre der Agon unabhängig von der Ausleihe des Stifters finanziert. Sehr ungewöhnlich für eine private Stiftung scheint es allerdings zu sein, dass der Stifter Demosthenes kein Stiftungskapital zur Verfügung stellte, sondern sich auf das Versprechen der jährlichen Zahlungen beschränkte.
Zu dieser Geldstiftung des Demosthenes kamen noch weitere drei Stiftungen in Form von Sachspenden hinzu. Er stiftete eine Goldkrone mit Portraits des Hadrian und des Apollon (Z. 52f.), die der Agonothet während des Agons trug. Zudem ließ er auf eigene Kosten einen versilberten Tragealtar mit seiner Stifterinschrift herstellen, bei dem an festgesetzten Tagen geopfert werden sollte (Z. 53f.). Außerdem spendete er noch die steinerne Stele, auf der später die Stiftungsepangelie, die Schreiben Hadrians, die Protokolle des Rates, der Volksversammlung und die subscriptio des Statthalters eingemeißelt und im Ort aufgestellt worden ist (Z. 95ff.).

4. Das Fest des Iulius Demosthenes

4.1. Festpersonal

4.1.1. Agonothet
Demosthenes legte fest, dass es einen Agonotheten (ÐgwnoqÁthV),einen sogenannten "Kampfrichter" als höchsten Verantwortlichen geben solle. Nach seinem Vorschlag sollte dieser ein Jahr vor dem Fest aus dem Kreis der Buleuten gewählt werden (Z. 30) und im Jahr nach dem Fest Rechenschaft über Einnahmen und Ausgaben machen, wobei er aber kein eigenes Geld für den Agon aufwenden, sondern nur das Geld verwalten und darüber Rechenschaft ablegen müsse. Das würde nach dem Vorschlag des Demosthenes eine 1-jährige Amtszeit bedeuten, die im Jahr vor dem eigentlich Fest begänne und wohl mit Ende des Festes enden würde.
Der Rat hielt wohl aber eine längere Amtszeit für notwendig, denn er forderte für den Agonotheten eine 4-jährige Amtszeit, die bereits drei Jahre vor dem Fest beginnen und ein Jahr nach dem Fest enden solle (Z. 89ff.). Doch die Wahl des Agonotheten fand bereits ein Jahr vor dem Festjahr seines Vorgängers statt. Das bedeutet in Zahlen, wenn 233 die 26. Demostheneia stattgefunden haben, dann wurde der 26. Agonothet bereits im Jahr 228 gewählt und seine Amtszeit ging von 230 bis 233, wobei zwischen seinem Wahljahr 228 und dem Ende seiner Agonothesie 233 229 die 25. Demostheneia gefeiert wurden und 232 die Wahlen seines Nachfolgers für den 27. Agon stattgefunden haben. Also während seiner Amtszeit hatte der Agonothet schon die Pflicht, für die Wahl seines eigenen Nachfolgers zu sorgen.
Die Kleidung des Agonotheten wurde ebenfalls vom Rat der Stadt festgelegt, die aus der von Demosthenes gestiftete Goldkrone und einem Purpurgewand bestand. Der Agonothet mußte also mit seiner Amtstracht den Agon bestreiten (Z. 56f.).
Welche eigentlichen Aufgaben der Agonothet bei den Demostheneia haben solle, wird nicht direkt in der Inschrift erwähnt, doch man kann wohl davon ausgehen, das diese allgemein bekannt und selbstverständlich waren. Er war wohl, wie sich aus anderen Zeugnissen ersehen lässt, insgesamt für einen reibungslosen Ablauf des Agons verantwortlich und scheint als Oberbeamter die gesamte Verantwortung zu tragen. Eine seiner Aufgaben war beispielsweise die Beschaffung und Bereitstellung des Salböls für die Athleten bei gymnischen Veranstaltungen. Außerdem hatte er für die gerechte Ausrichtung der Wettkämpfe zu sorgen, war für die Ordnung bei den Festprozessionen verantwortlich, führte die Opfer durch, verteilte die Siegeskränze und die Geldpreise und stellte vermutlich auch die Siegerlisten auf.
Bei den Dionysien schenkten die Agonotheten auch während der Theatervorstellungen Wein aus und verteilten Leckereien an die Zuschauer.
Konkret hingegen wurde wiederum vom Rat geregelt, dass der Agonothet die Antrittszeremonie der Beamten am Neujahrstag mit Huldigungen an den Kaiser und Apollon zu vollziehen hatte (Z. 58). Auch hier wurde von ihm das Tragen seiner Amtstracht verlangt.
Als Aufwandsentschädigung erhielt der Agonothet zwar kein Geld - es war also ein Ehrenamt - jedoch wurde er mit einigen Privilegien versehen. Zum einen sollte er die gleichen Rechte innehaben wie der Kaiserpriester, wobei es in Oinoanda einen Kaiserpriester und eine Kaiserpriesterin gab (Z. 91f.). Die rechtliche Gleichstellung unterstreicht wohl noch seinen hohen Stellenwert in der Gemeinde.
Zum anderen hatte er einen Vorzugsplatz in Ratssitzungen, in Volksversammlungen und im Theater, wobei er auch hier seine vorgeschriebene Amtstracht tragen musste (Z. 58).
Was aber von besonderer Bedeutung gewesen zu sein scheint, ist, daß der Agonothet eine 5-jährige Amtsverschonung, eine vacatio muneris, genoss. Er war also jeweils zwei Jahre vor dem Fest und 3 Jahre nach dem Fest von der - wohl oft eher lästigen und zeitaufwendigen - Pflicht entbunden, eines der städtischen Ämtern zu übernehmen (Z. 90f.).
In der Ratsurkunde wird ebenfalls die Amtsübergabe der Agonotheten genau geregelt. Am letzten Tag des Festjahres übergab der Agonothet dem Agonotheten des kommenden Festes, der ja bereits im Jahr zuvor gewählt worden war, die Krone in einer Art Investitur. Außerdem musste die Krone gewogen und der Tragealtar einwandfrei übergeben werden (Z. 92ff.).
Die ehemaligen Agonotheten sollten bei den Agonen das Präsidium einnehmen, was wohl nicht nur eine Ehre für sie gewesen sein dürfte, sondern auch eine Art Unterstützung für den amtierenden Agonotheten (Z. 87).
Der Agonothet hatte zwar eine sehr große Verantwortung, wie die Vielzahl der genannten und die wohl riesige Anzahl ungenannter, aber selbstverständlicher Pflichten zeigt, war aber auch während und auch noch nach seiner Amtszeit einer der angesehensten und privilegiertesten Bürger seiner Gemeinde, was die angesprochenen Privilegien und Rechte verdeutlichen.
Zuletzt sollte der Agonothet zu seiner eigenen Unterstützung das weitere Festpersonal bestimmen, das ihm vermutlich untergeordnet war. Dies wird zwar nicht direkt gesagt, aber dadurch hinreichend deutlich.

4.1.2. Panegyriarchen
Über Bezeichnung, Anzahl, Aufgaben und Tracht des weiteren Festpersonals hatte ebenfalls der Rat der Stadt befunden (Z. 59 bis 68).
Die Panegyriarchen (panhguriÀrcai),insgesamt drei, wurden von dem Agonotheten aus dem Kreise der Buleuten gewählt. Der Name "Festvorsteher" wirkt bei den Demostheneia fast schon missverständlich, da diese Rolle nicht ihnen, sondern dem Agonotheten zukam. Ihre vornehmliche Aufgabe war es, sich bei dem Festmarkt, der während des gesamten Agons nebenher stattfand, um den Markt selbst und das Warenangebot zu kümmern und dort für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.
Den Panegyriarchen sollte es vorbehalten bleiben, die Preise festsetzen und die Waren, die es aufgrund der Abgabenfreiheit billiger zu kaufen gab, ob ihres Preises und ihres Gewichtes zu prüfen.
Der eine Grund für diese Aufgabe der Panegyriarchen liegt auf der Hand: Der Käufer sollte nicht übervorteilt werden. Doch die Kontrolle über das Warenangebot hat noch einen weiteren, nicht unerheblichen Zweck: Der Panegyriarch hatte ebenfalls die Pflicht, Waren wieder vom Markt zu nehmen oder die Preise festzusetzen, um dadurch ein ständig gutes und reichhaltiges Warenangebot zu gewährleisten, was das ausdrückliche Anliegen des Rates war.
Außerdem war der Panegyriarch befugt, Ungehorsame zu strafen, also Händler, die den Käufer betrogen, schlechte Ware anboten oder sie zu falschen Preisen abgaben.
Die Panegyriarchen könnte man somit als Marktpolizei verstehen.

4.1.3. Sebastophoroi
Der Agonothet sollte außerdem zehn Sebastophoroi (sebastofÅroi)aus dem Kreise der Bürger wählen. Im Gegensatz zu den Panegyriarchen wird bei ihnen ganz deutlich gesagt, welche Kleidung sie während ihrer Tätigkeit zu tragen haben. Sie sollten nach dem Willen des Rates weiße Gewänder und einen Selleriekranz tragen, wodurch sie sich wohl deutlich von den übrigen Teilnehmern äußerlich abhoben. Ihre Aufgabe bestand darin, wie sich schon aus ihrer Amtsbezeichnung erkennen lässt, bei den Prozessionen durch das Theater während der Opfertage die Kaiser- und Apollonbilder zu tragen und den Tragealter zu ziehen. Dieses Amt war demnach wichtig im Zusammenhang mit dem in Oinoanda gepflegten Apollon- und Kaiserkult.

4.1.4. Mastigophoroi
Ebenfalls aus dem Kreise der Bürger bestimmte der Agonothet 20 Mastigophoroi (masteigofÅroi), die weiße Gewänder ohne Untergewand tragen mussten. Sie hatten auf Geheiß des Agonotheten mit Peitschen, wie der Name schon sagt, und Schilden für die Ordnung bei den einzelnen Veranstaltungen im Theater zu sorgen. Doch hierunter muss man allerdings auch verstehen, dass die Mastigophoroi nicht nur dafür zu sorgen hatten, dass kein Teilnehmer oder Zuschauer gegen die Regeln des guten Benehmens verstieß, sondern auch, dass die Wettkämpfer in der vorgeschriebenen Kleidung auftraten. Es sind aber auch Fälle bekannt, in denen die Mastigophoroi sogar gegen Akteure auf der Bühne auf recht gewalttätige Weise einschritten. So wurde beispielsweise bei den delphischen Pythien ein unfähiger Kitharöde samt Instrument von der Bühne geprügelt, auch schritt man gegen die Schauspieler bei Fehlern ein.
Die Mastigophoroi waren also die Aufsichtsbeamte im Theater.

4.1.5. Agelarchen
Zuletzt sollte der Agonothet zwei Agelarchen - etwa mit "Scharführer" zu übersetzen - aus der städtischen Oberschicht bestimmen, die ihrerseits jeweils zwanzig Knaben auswählen und diese trainieren durften.
Mit diesen vierzig Jungen wurde dann ein Fackellauf veranstaltet, wobei der Agelarch der Siegermannschaft im Grunde der eigentliche und alleinige Sieger war, dafür einen Kranz erhielt und offiziell geehrt wurde. Außerdem stand es dem siegreichen Agelarchen zu, sich auf eigene Kosten ein Standbild errichten zu lassen. Es lag im Ermessen des Agonotheten, den Agelarchen finanziell zu belohnen. Zu welchem Zeitpunkt der Fackellauf stattfinden sollte, wird nicht direkt gesagt, doch man kann wohl davon ausgehen, dass er vermutlich in Verbindung mit den Apollon-Opfern stattfand, nur wann und in welchem direkten Kontext, ist unklar.
Es liegt auf der Hand, dass gerade dieser Fackellauf für die städtische Oberschicht ein gutes Mittel zur Selbstdarstellung war. Denn einerseits war es sicherlich sehr rühmlich, wenn die eigenen Sprößlinge mit den Aufgaben eines Agelarchen betraut wurden, doch noch sehr viel ehrenvoller war es sicherlich, seinen siegreichen Sohn in einem Standbild zu verewigen. Dass die wohlhabenden Väter dies nur zu gern getan haben, zeigen die Funde mehrerer Statuenbasen in Oinoanda.
Doch auch die übrigen Positionen des Festpersonals wurden wohl kaum unwillig von den Buleuten und den Bürgern übernommen. Es galt mit Sicherheit für alle Beteiligten als sehr ehrenvoll, bei dem Agon in einer auffälligen, von den übrigen Bürgern sie abhebenden Festtracht mitwirken zu dürfen, um sich, seine Familie und nicht zuletzt die Heimatstadt zu repräsentieren.

4.2. Veranstaltungen

4.2.1. Ablauf, Teilnehmer und Preisgelder
In der Stiftungsepangelie bestimmt Demosthenes selbst ganz genau, wann welche Veranstaltungen bei den Demostheneia stattfinden sollten und welche Preise für die Sieger vorgesehen waren (Z. 38 bis 46).
Die Demostheneia von Oinoanda begannen am 1. Juli und endeten am 23. Juli. Gleichzeitig fand in Oinoanda ein ständiger Festmarkt statt, auf dem aufgrund der Abgabenfreiheit (ÐtÁleia) während der Festzeit verbilligtere Waren zu kaufen waren, auf denen weder Steuern noch Ein- und Ausfuhrzölle lagen.
Da der Ratsbeschluß aus dem Jahr 125 stammt und damit die Beschlüsse rechtskräftig wurden, kann man davon ausgehen, daß vier Jahre später die ersten Demostheneiastattgefunden haben, wenn es keine Verzögerungen gegeben hat.
Der erste Wettbewerb ist der der Trompeter und Herolde. Dieser Wettstreit ist eine der klassischen Disziplinen der Olympischen Spiele. Seit 396 v. Chr. wird mit ihm das Olympische Fest eröffnet. Auch die Hadrianeia von Ephesos wurden mit diesem Wettbewerb eröffnet. Die alte Tradition wurde demnach über die Jahrhunderte hinweg aufrechterhalten und auch bei einem vergleichsweise unbedeutenden Agon wie dem in Oinoanda gepflegt.
Da das Kriterium die Stärke der Stimme und der Atmungsorgane war, galt es in der Antike als allgemein üblich, diese Agone auch als gymnischen Wettkampf aufzufassen. Die Trompeter und die Herolde, die sogenannten "Verkünder", waren außerdem traditionell an den Siegerehrungen beteiligt. Der Trompeter blies auf seiner Trompete, während der Herold den Namen und die Vaterstadt des Siegers ausrief. Dieser Vorgang ist auch auf der Basis eines Tragealtars von den isopythischen Spielen von Side dargestellt.
Für diese Veranstaltung war nur ein Siegespreis von 50 Denaren vorgesehen, wobei nicht genau gesagt wird, ob Trompeter und Herolde getrennt oder gemeinsam prämiert wurden, das heißt, ob jeweils ein Trompeter und ein Herold siegen konnten oder nur einer von beiden.
Für den zweiten, dritten und vierten Tag der Demostheneia waren keine Veranstaltungen vorgesehen. An diesen Tagen sollten Sitzungen des Rates und der Volksversammlung stattfinden. Ob ansonsten während des Festes keine Sitzungen abgehalten werden durften, wird nicht implizit gesagt, aber möglicherweise ist gerade die besondere Hervorhebung, daß genau an diesen Tagen die Sitzungen stattfinden sollten, ein Hinweis darauf.
Was außerdem ein wenig stutzig macht, ist der Termin für die Sitzungen. Es stellt sich die Frage, warum der Agon gleich nach einem Tag unterbrochen wird. Man hätte die Sitzungen vorziehen oder genau in die Mitte des Agons legen können. Dieser Schritt ist vielleicht so erklärbar, dass die Sitzungen immer am Zweiten, Dritten und Vierten eines Monats stattfanden, und man es daher für unmöglich hielt, diesen Termin zu verschieben.
Am fünften Tag wurden Prosaenkomien vorgetragen. Wer die beste Lobrede vortrug, erhielt 75 Denare.
Tags darauf wurde der Agon ein zweites Mal unterbrochen. Diesmal für den monatlichen Markttag, der wohl immer am Sechsten eines Monats stattfand und den man nicht ausfallen lassen wollte oder konnte, obwohl er von dem dauernden Markt des Agons, der durch Abgabenfreiheit privilegiert war, überschattet worden sein dürfte.
Nach der eintägigen Unterbrechung fand der Wettbewerb der Dichter statt, bei dem Sieger mit einem Geldpreis von 75 Denaren belohnt wurde.
Darauf folgte die Konkurrenz der Oboisten mit Chor, deren Erstplazierter mit 125 Denaren und Zweitplazierter mit 75 Denaren ausgezeichnet wurde.
Wie sich sehr gut an der Höhe der Preisgelder erkennen lässt, steuerte der musische Agon ziemlich genau zur Mitte des Festes auf seinen Höhepunkt zu.
Umrahmt von den drei höchstdotierten und den meist geschätzten Veranstaltungen, Komödie, Tragödie und Kitharödie, fanden die zwei Opfer an den Apollon der Vorfahren statt, zu deren Verlauf noch im folgenden die Rede sein wird.
Wiederum an der Höhe der Preisgelder kann man erkennen, dass innerhalb der drei genannten Wettkämpfe eine Hierarchie (Komödie-Tragödie-Kitharödie) und eine Steigerung vorhanden ist, die sich auch schon bei den Panathenäen erkennen lässt, bei denen die Kitharöden ebenfalls als Höhepunkt ob ihrer höstdotierten Prämien zu werten sind. Nur wurde bei den Demostheneia ganz offensichtlich nicht mehr nach bestimmten Altersklassen bei den einzelnen Wettbewerben unterschieden.
Am 18. Tag der Demostheneia fand der Agon diÈ pÀntwn, an dem aller Wettkämpfer gegeneinander antraten, statt. Hierbei war für den besten Bühnenausstatter ebenfalls ein Preisgeld von 25 Denaren ausgesetzt.
Danach traten an drei aufeinanderfolgenden Tagen bezahlte Künstler wie Mimen, Schausteller und andere Künstler auf, für die insgesamt 600 Denare Gehalt ausgegeben wurde.
Den Schluss der Demostheneia bildeten gymnische Agone nur für Bürger Oinoandas, für die insgesamt noch einmal 150 Denare aufgewendet wurden. An dem Zusatz, dass an den gymnischen Agonen nur Bürger teilnehmen sollten, zeigt sich, dass die übrigen Veranstaltungen wohl auch Bürgern anderer Städte offenstanden.
Offiziell sollte der Agon laut Demosthenes bis zum 23.7. dauert, doch sein Festprogramm reicht nach meiner Rechnung nur bis zum 22.7.
Demosthenes hatte insgesamt 4450 Denare für seinen Agon vorgesehen. Nach Abzug sämtlicher Preisgelder bleiben 1850 Denare übrig. Davon sollen je 3 Denare an die 500 Kampfrichter, bestehend aus Buleuten und Sitometrumemoi (Getreideverteiler), gehen, was wohl eher als symbolischer Akt zu verstehen ist. Der Rest des Geldes soll an Bürger, Freigelassene und Paroikoi (Umwohner) verteilt werden. Nach welchen Kriterien dies geschehen soll und warum, wird nicht gesagt.

4.2.2. Opfer
Wie schon mehrfach angesprochen, gehörten zu den Demostheneia zwei Opfer für Apollon (Z. 68 bis 87). Der Rat der Stadt hatte offiziell bestimmte Gemeinden aus der Chora Oinoandas in seinem Beschluss festgelegt und eingeladen. Doch dass dies nicht nur eine zwanglose Einladung war, sondern fast schon einer Anweisung an das Umland gleichkam, sieht man daran, daß Gemeinden, die nicht jener Einladung folgten, eine Strafe von immerhin 300 Denaren zu zahlen hatten. Außerdem machte der Agonothet alle Dörfer, die am Agon und somit am Opfer teilgenommen haben, und die, die der Einladung nicht gefolgt sind, öffentlich bekannt. Gesandtschaften aus Dörfern, die ohne Einladung zum Agon angereist waren und mitgeopfert haben, erhielten eine Bestätigungsurkunde von Agonotheten.
Bei den Opfern war es wiederum die Aufgabe des Agonotheten, die Oberaufsicht zu übernehmen. Er sollte auch im einzelnen die Opfergemeinschaften (sunqusÄai) aufstellen und in schriftlicher Form öffentlich bekannt machen.
Außerdem wurde vom Rat beschlossen, daß es in jedem Dorf einen geben solle, der sich um die Opfer kümmere. Verantwortlich für die Opfer seien die jeweiligen Demarchen oder Archidekane der Dörfer. Für den Fall, dass es keinen Demarchen gebe, habe der Agonothet für eine Wahl zu sorgen.
Vor den Opferzeremonien selbst fanden Prozessionen durch das Theater von Oinoanda statt, an deren Spitze vermutlich die Portraits des Apollon und des Hadrian von den Sebastophoroi getragen wurden.
Das wichtigste Utensil, ja das religiöse Zentrum dieser Prozessionen und der darauffolgenden Opfer war mit Sicherheit der von Demosthenes gestiftete, versilberte Tragealtar, den die Sebastophoroi durch das Theater zogen. Wo sich der Tragealtar ansonsten außerhalb der Opfertage und des Agons befand, ist nicht ganz klar, aber vermutlich in einem Tempel in der Stadt Oinoanda selbst und dort vielleicht auf einer ähnlichen Basis wie der Tragealtar von Side.
Nach diesen Prozessionen fanden dann die eigentlichen Opfer statt. Auch hier war vom Rat genau festgelegt worden, wer wie viele Rinder zu opfern hatte. Von den Trägern öffentlicher Ämter wurde erwartet, daß sie dreizehn Rinder opferten. Die Chora Oinoandas sollte mindestens 13 Rinder opfern.
Für die nach Oinoanda gebrachten Rinder galt ebenfalls die vorhin besprochene Abgabenfreiheit, man durfte auf sie also ebenfalls keine Zölle erheben.
Nach den Opfern begann dann vermutlich ein riesiger Festschmaus von dem Fleisch der geopferten Tiere. Nach Wörrles Berechnungen könnte das Fleisch der Rinder für mindestens 8000 Personen gereicht haben.

4.3. Charakter der Demostheneia
Die Demostheneia gehören zu der Kategorie von Agonen, die erst in der Kaiserzeit im Osten vermehrt auftraten: Sie sind ein Agon, der durch einen privaten Stifter finanziert wurde. So bot sich wegen des chronischen Geldmangels in den Kassen der hellenistischen Städte für den Stifter selbst und dessen Familie, aber auch für den engagierten Agonotheten die Möglichkeit, Ruhm und Ansehen zu gewinnen und sich dadurch auch politischen Einfluss in seiner Gemeinde zu verschaffen und eine führende Rolle zu spielen.
Demosthenes bezeichnet seinen Agon - wie schon erwähnt - als einen thymelischen Agon (Z. 12), Hadrian hingegen nennt diesen Agon musisch (Z. 3). Hadrian hat also, wie schon oben erwähnt, Demosthenes korrigiert. Der Rat und die Volksversammlung haben diese Korrektur übernommen und nennen den Agon ebenfalls musisch (Z. 51).
Die Demostheneia sollten nach Demosthenes Vorstellungen alle vier Jahre stattfinden, was von allen Institutionen bestätigt wurde. Der Agon ist demnach penteterisch.
Dieser Agon gehörte nicht in die Gruppe der heiligen Agone (Ð. ÜeroÄ) Asiens und auch nicht zu den KoinaLykiens, obwohl Demosthenes vielleicht sein Fest in eben diese eingliedern wollte, indem der Hauptkult nicht dem Stadtgott Zeus sondern dem Apollon galt.
Die Demostheneia waren ein Geldpreisagon (Ð. qematikÅV), jedoch war es kein profaner Agon, wie die Kulthandlungen für Apollon und Hadrian zu erkennen geben. Diese Kulte kommen direkt durch die Portraits des Apollon und des Hadrian auf der Agonothetenkrone, durch die Portraits des Apollon und des Hadrian, die bei den Prozessionen getragen wurden, und durch die Opfer, die sich auf zwei volle Tage des Agons erstreckten, zum Ausdruck.
Doch dürfte es sich bei diesem Agon wohl eher um einen innerlykischen Vergleich gehandelt haben, was bedeutet, dass er eher niveaulos gewesen sein dürfte im Vergleich zu den anderen großen Agonen, bei denen die großen Künstler des Landes aufgetreten sein dürften. Doch wenn man, wie oben schon erwähnt, den Apollon-Kult und auch sein klassisches Programm betrachtet, dann wird klar, dass Demosthenes mit seinem Agon in die Richtung der großen Agone gestrebt hat. Er wollte ihnen gleichkommen.
Besonders auffällig ist auch die Dauer der Demostheneia. Selbst die großen Agone dieser Zeit dauerten keine 23 Tage.
Ansonsten orientierten sich die Demostheneia mit ihrem Programm und ihrem Aufbau an den klassischen Vorbildern. Sie waren ein Mittel zur Selbstdarstellung des Ortes Oinoanda und seiner Oberschicht, die sich auf viele Arten bei diesem Agon hervortun konnte, und boten natürlich gerade für die Stadt die Möglichkeit, sich von dem Umland abzuheben.
Man darf auch nicht vergessen, welche Freude der Agon den Einwohnern gebracht haben dürfte. Über drei Wochen konnten sie musikalische Wettstreite und Theaterstücke mit Teilnehmern aus dem gesamten Umland genießen, und zum Schluss gab es nur für die Bürger eine gymnische Ausscheidung. Außerdem konnten sie drei Wochen lang durch die (ÐtÁleia) verbilligte Ware auf dem Festmarkt erwerben und genossen zudem noch Steuerfreiheit eben aus diesem Grund.
Dass sich der Agon mindestens ein Jahrhundert gehalten hat, lässt sich aus zwei gefundenen Sockeln von Siegerstatuen erkennen, die von den 24. und von den 27. Demostheneiastammen, was bei regelmäßiger Ausrichtung in den Jahren 221 und 237 gewesen sein dürfte. Die Statuen wurden für die Sieger der gymnischen Partie errichtet, die Anfang des 2. Jahrhunderts hinzugefügt worden ist.
Wenn auch die Demostheneia von Oinoanda kein großartiger, weltoffener Agon waren und nicht überall in Lykien bekannt waren, so waren sie für die Bürger der Stadt und auch für die Gemeinden des Umlandes, die geladen waren mitzufeiern, sicherlich alle vier Jahre ein großartiges Ereignis, das auch das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger untereinander und der gesamten Gegend gestärkt haben dürfte.

5. Anhang

5.1. Tabelle 1: Veranstaltungen und Preisgelder

Tag Veranstaltungen Preisgelder
1. Trompeter und Herolde 50 Den.
2., 3., 4. Ratssitzungen, Volksversammlung
5. Prosaenkomien 75 Den.
6. Monatlicher Markttag
7. Dichter 75 Den.
8. + 9. Oboisten mit Chor 125, 75 Den.
10. + 11. Komödien 200, 100 Den.
12. 1. Opfer für Apollo
13. + 14. Tragödien 250, 125 Den.
15. 2. Opfer für Apollo
16. + 17. Kitharöden 300, 150 Den.
18. diÈ pÀntwn 150, 100, 50 Den.

25 Den. für Bühnenausstatter

19., 20., 21. bezahlte Darbietungen (Mimen...) 600 Den. (Gehalt)
22. gymnische Agone für Bürger 150 Den.

 

5.2. Tabelle 2: Opfer der städtischen Beamten und der Chora

Öffentliche Beamte

Dörfer

Amt

Anzahl der

Tiere

Dorf

Anzahl der

Tiere

Agonothet

1

Thesenos...

2

Kaiserpriester/in

1

Orpenna Sielia

1

Zeuspriester

1

?

?

3 Panegyriarchen

1

?

1

Ratssekretät und 3 Pyrtanen

2

Nigyrassos

1

2 städtische Agoranomoi

1

Uauta Marakanda

1

2 Gymnasiarchen

1

Milgeipotamos Uedasa

1

4 Tamiai

1

Prinolithos

1

2 Paraphylakes

1

Kerdebota

1

Ephebarch

1

Minaünda

1

Paidonomonos

1

Ornessos

1

Beauftragter für öffentl. Gebäude

1

Sapondoanda

1

 

 

 

Autor: Wiebke Timm  |  Quelle: www.geschi.de

 




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