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 Feldafing - Reichsschule der NSDAP

Die Reichsschule der NSDAP in Feldafing stand unter der Schirmherrschaft der Parteikanzlei. Die Schule wurde 1933 am 1. April von Ernst Röhm als "9-klassige nationalsozialistische Oberschule" gegründet und sollte für die Heranbildung des Führernachwuchses sorgen. 
Als Schul- und Internatsgebäude wurden zumeist Villen genutzt, die früher Juden gehört hatten. Über die Umstände des "Erwerbs" wird zwar viel gemunkelt, aber ich konnte keine verlässlichen Auskünfte beibringen. Sicherlich wurden manche Juden zum Verkauf unter dem üblichen Preis gezwungen, oder wurden auch manche Gebäude billig "erworben", nachdem ihre Besitzer geflohen waren. 
Die Schuljahre begannen bzw. endeten in der Schule wie damals üblich mit den Osterferien. 1941 wurde reichsweit und auch in der Reichsschule in Feldafing der Anfang bzw. das Ende des Schuljahres zu den Sommerferien hin verlegt.
Anfangs wurden die Räume mit Militärspinden und -betten ausgestattet. Dies war zwar etwas spartanisch, passte aber zum Erziehungsziel. Als Lehrer wurden Mitglieder aus der SA herangezogen, die die Lehrbefähigung für Oberschulen hatten. Als Lehrpläne wurden die staatlichen übernommen und durch mehr Sport, "Wehrsport" und ideologische Schulung erweitert.
1936 wurde die Schule dem "Stellvertreter des Führers" unterstellt (Rudolf Heß, Stabsleiter: Martin Bormann).
1938 bekam die Schule einen neuen Namen: "Reichsschule der NSDAP", Feldafing (RSF).
Die Aufnahme der Schüler in die Schule war recht kompliziert. Es gab ein Reichsausleseverfahren, in dem jeder Reichsgau jährlich drei Kandidaten (München und Berlin fünf) in ein Reichsauswahllager entsenden konnte.
Die Berufswahl war formal frei.
Die Schule ist ein Unikum gewesen und nicht direkt vergleichbar mit den Adolf-Hitler-Schulen oder den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA, volkstümlich "Napola").
Den Feldafinger Abgängern wurde nahegelegt, nicht zur Waffen-SS oder zur Luftwaffe zu gehen, denn die Waffen-SS galt allgemein als "politisch zuverlässig" und die Luftwaffe als hinreichend nationalsozialistisch durchsetzt. Von daher sollten die Feldafinger Abgänger in andere Bereiche gestreut werden und diese mit den nationalsozialistischen Wertvorstellungen durchdringen. Sie sollten die "Eliten" aller akademischen Berufe bilden.
In der Schule wurde auch bereits vormilitärische Ausbildung betrieben. Beispielsweise wurde ein sogenanntes "Pfingstlager" durchgeführt. Die Schüler machten zunächst einen Gepäckmarsch, bauten dann ihr Lager auf, Verpflegung gab es aus der Gulaschkanone, sie machten Geländespiele mit Kartenkunde, führten Tarnübungen und Übungen zum "richtigen Bewegen im Gelände" durch, ein nächtlicher Überfall wurde trainiert, bauten dann ihr Lager ab und marschierten wieder zurück.
Im "Nationalpolitischen Unterricht" lernten die Schüler das 25 Punkte umfassende Parteiprogramm auswendig und studierten Adolf Hitlers "Mein Kampf".
Nach den Sommerferien 1944 wurde zwar noch ein Stundenplan ausgegeben, allerdings kaum noch Unterricht gehalten. Dies galt zumindest für die beiden 5. Klassen (15jährige Jungs), die zumeist von Kriegsversehrten Unterricht bekamen und für den "Deutschen Volkssturm" ausgebildet wurden. Dazu zählte zunächst eine infanteristische Grundausbildung an den Waffen wie zum Beispiel MG und MP und danach die Ausbildung an den infanteristischen panzerbrechenden Waffen wie Panzerfaust, Panzerschreck, Hafthohlladung, geballte Ladung, gestreckte Ladung und zum Teil auch T-Minen (Tretminen). Diese Ausbildung reichte bis zu den Weihnachtsferien hin. Danach wurden die verschiedenen Klassen in der Umgebung verteilt zum Schanzen (Panzergräben und Schützenlöcher ausheben).
Die Schule wurde am 23.4.1945 aufgelöst.

 

 

 

Autor: Friedemann Lindenthal  |  Quelle: www.geschi.de

 




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