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 Bormann (Senior), Martin

Martin Bormann (Senior)Martin Bormann wurde am 17. Juni 1900 als Sohn eines Postbeamten und ehemaligen Militärmusikers in Halberstadt geboren. 1904 starb sein Vater, und seine Mutter heiratete einen Bankbeamten. Nach der Beendigung seines Schulbesuchs 1918/19 in Eisenach und Weimar diente Bormann als Kanonier während des Ersten Weltkriegs in einem Feldartillerieregiment, ohne an den Kampfhandlungen teilzunehmen. Von 1920 bis 1924 arbeitete Bormann als Landwirtschaftslehrling auf mecklenburgischen Gütern und war Mitglied im "Verband gegen die Überhebung des Judentums". 1922/23 wurde Bormann ehrenamtlich Abschnittsleiter im Traditionsverband des ehemaligen „Freikorps Roßbach“. Im März 1924 kam er gemeinsam mit Rudolf Höß (später KZ-Kommandant) ins Gefängnis. Beide mussten sich für die Ermordung ihres Volksschullehrers Walter Kadow (1860-1923) verantworten. Kadow soll Albert Leo Schlageter an die französischen Besatzungsbehörden verraten haben, die Schlageter für seine Beteiligung am Kampf gegen die Besetzung des Ruhrgebiets zum Tode verurteilten. Bormann sollte ein Jahr sitzen, Höß 10 Jahre. Später wurde Bormann von Hitler mit dem begehrten „Blutorden“ für seine Tat ausgezeichnet. 1925 wurde Bormann aus der Haft entlassen und Mitglied des Weimarer „Frontbanns“ unter der Leitung von Ernst Röhm. Er trat der NSDAP 1927 bei und nahm in Thüringen eine Tätigkeit als Gaupressewart auf. 1928 wurde er Gaugeschäftsführer in Thüringen. 1928-1930 gehörte Bormann dem obersten Führungsstab der Sturmabteilung (SA) an. 1929 heiratet er Gerda Buch, die Tochter des obersten NSDAP-Richters Walter Buch (1883-1949). Einer der Trauzeugen war Adolf Hitler. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor. Allerdings gab es eine Fehlgeburt. Ob man diese zu den neunen dazu zählen muss oder eine von denen war, ist nicht ganz geklärt, da die Quellen verschiedene Werte angeben. Auf jeden Fall hätte Gerda Bormann gerne noch mehr Kinder bekommen. Bei ihr wurde jedoch kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Unterleibskrebs diagnostiziert und sie ist dann auch wenige Monate später daran gestorben. Martin Bormann war seinerzeit ein Schürzenjäger höchsten Grades. Er flirtete gerne mit jungen Filmschauspielerinnen und brachte sie auch mit nach Hause. Gerda war von diesen Machenschaften, so wie man es heute bezeichnen würde, allerdings angetan und hat ihren Mann sogar noch unterstützt und versucht, sich für eine Polygamie einzusetzen. Ab 1932 war Bormann der erste Leiter der Hilfskasse der NSDAP, einer Unfallversicherung zur Unterstützung von Parteimitgliedern, die bei Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern verletzt wurden. Im Juli 1933 initiierte Bormann die „Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft“. Die Kasse wurde durch die freiwilligen Spenden deutscher Industrieller gefüllt. Außerdem wurde er im Juli auch zum Stabsleiter bei Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß und zum Reichsleiter der NSDAP ernannt. Ab dem November 1933 war Bormann auch als Abgeordneter im Reichstag tätig. Nachdem er in den letzten Monaten immer näher zu Hitler aufgestiegen war, wurde er 1933 mit der Verwaltung des Hitlerschen Privatvermögens beauftragt. Hitler beauftragte Bormann mit der Bewirtschaftung und Verwaltung des „Berghofs“ sowie Hitlers gesamten Besitzes auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden. Diese Aufgaben erledigte Martin Bormann zur vollsten Zufriedenheit Hitlers und kletterte so weiter auf der Leiter nach oben. Näheres zum Bau des Berghofs, Bormanns „Gesellenstück“, im Video aus der Reihe „Hitlers Helfer“ von Guido Knopp. Am 12. Mai 1941 übernahm Bormann nach dem Englandflug von Heß dessen Dienststelle, die in „Parteikanzlei“ umbenannt wird, mit den Befugnissen eines Reichsministers. Er kontrollierte neben der Legislative sämtliche Ernennungen und Beförderungen innerhalb der Partei. 1942 reaktivierte Bormann den Kampf gegen die christlichen Kirchen entgegen Hitlers Plänen. Dieser beabsichtigte aus taktischen Erwägungen die Verschiebung des Antiklerikalismus auf die Zeit nach dem Ende des Krieges. Am 9. Oktober 1942 unterzeichnete Martin Bormann einen Erlass, der die endgültige Beseitigung der Juden aus den Gebieten Deutschlands nicht mehr durch Vertreibung, sondern durch Anwendung rücksichtsloser Gewalt in den Sonderlagern des Ostens anordnet. Im April 1943 wurde Bormann zum „Sekretär des Führers“ ernannt und war damit quasi Stellvertreter Hitlers. Bormann regelte den Zugang der Gauleiter zu Hitler, entlastete ihn von sämtlichen Verwaltungsarbeiten und schirmte ihn zunehmend gegen die politische Führungsspitze ab. Er genoss Hitlers volles Vertrauen. Ab dem September 1943 musste jede Eingabe an Hitler aus dem Bereich der Partei und ihren Organisationen von Bormann gegengezeichnet werden. 1944 mobilisierte er die Partei als Reservoir und Organisationsbasis für den „Volkssturm“ und trieb die Gauleiter zum letzten Widerstand an. Im April 1945 weilte er gemeinsam mit Hitler im Berliner Führerhauptquartier und bestärkte diesen bei der Amtsenthebung von Hermann Göring und Heinrich Himmler. Am 29. April wurde Bormann Trauzeuge der Eheschließung Hitlers mit Eva Braun. Bormann war im Nebenzimmer, als Hitler mit seiner Frau Selbstmord beging (30. April 1945). Er half noch dabei, die Leichen hinauszuschaffen (trug Eva Hitler ein Stück) und schaute dann zu, wie die Leichen verbrannt wurden. Am 1. Mai unternahm er einen Ausbruchsversuch aus dem Bunker, um sich Großadmiral Karl Dönitz, den Hitler testamentarisch zum neuen Staatsoberhaupt erklärt hatte, bei Flensburg anzuschließen. Am 1. Oktober 1946 wurde Bormann in Abwesenheit von dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zum Tode verurteilt. Obwohl der ehemalige Reichsjugendführer Arthur Axmann berichtet, er habe Bormanns Leiche gesehen, blieb dessen Schicksal ungewiss. Erst 1973 wurde eine in Berlin 1972 in der Nähe des Lehrter Bahnhofs bei Bauarbeiten gefundene und exhumierte Leiche zweifelsfrei als die Martin Bormanns identifiziert. Laut dem Schlussbericht der Frankfurter Staatsanwaltschaft vom 4.4.1973 kam er bei einem Ausbruchversuch aus Berlin am 2.5.1945 ums Leben. Die DNA-Analyse der Knochen und der Vergleich mit Blutproben lebender Verwandter Bormanns habe eindeutig ergeben, dass die gefundene Leiche Martin Bormann war. 1996 wurde eine mitochondriale DNA-Analyse durchgeführt. Zur Untersuchung gelang es, aus ununterbrochener weiblicher Linie noch eine Verwandte Bormanns zu finden, die bereit war, eine Blutprobe zur Verfügung zu stellen. Die Erbsubstanz der entnommenen Proben sei identisch mit zwei Blutproben der verwandten Frau gewesen. Damit ist sicher nachgewiesen, dass Bormann tot ist und es ist ziemlich sicher, dass Bormann Anfang Mai 1945 bei der Flucht aus Berlin ums Leben kam. Allerdings scheint noch keine offizielle Sterbeurkunde ausgestellt worden zu sein - oder wenn, dann erst in den letzten Monaten. Im März 2000 wurde im Spiegel ein Artikel veröffentlicht, nach dem monatlich noch Miete für ein Haus bezahlt wird, was angeblich Bormann gehören soll und was erst ausgelöst werden muss (Zahlung von 10.000 DM an die Kinder Bormanns). Genauer nachzulesen unter http://www.spiegel.de/spiegel/vor50/0,1518,70473,00.html .
Es gab Spekulationen, dass Bormann nach Russland oder Südamerika entkommen sei. Angeblich sei er auch mehrmals in Südamerika gesehen worden.
Bormann war die rechte Hand des Führers, denn was Hitler an Fleiß, Beharrlichkeit und Organisationstalent fehlte, ersetzte Bormann für ihn. Kein Mensch kam zum Führer denn durch ihn, und fast alle Massenverbrechen und Grausamkeiten des NS-Regimes trugen in irgendeiner Form seine Handschrift. So wirkte Bormann auch bei der Judenverfolgung mit. Vor Ausbruch des Krieges sorgte er dafür, dass alle Juden, Zigeuner und Angehörige der Ostvölker, die eine Freiheitsstrafe von mehr als 3 Jahren hatten, den Konzentrationslagern zur „Vernichtung durch Arbeit“ zugeführt wurden. Um die „zarten Nerven“ seines sonst keineswegs kleinlichen Führers zu schonen, ließ er die grausamen Berichte Himmlers zur Judenvernichtung umschreiben und Begriffe wie „Liquidation“ oder „Sonderbehandlung“ mit „Durchschleusung“ oder ähnlichen verharmlosenden Begriffen ersetzten. Bormann zeichnete sich durch Ausdauer, Skrupellosigkeit und vorauseilenden Gehorsam aus.

 

 

 

Autor: Friedemann Lindenthal  |  Quelle: www.geschi.de

 




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