|
|
|
| Der
Dreißigjährige Krieg 1618-48 |
aus
konfessionellen Gegensätzen im Heil. Röm. Reich dt. Nation und dem sich
verschärfenden Gegensatz Stände-Habsburg Monarchie entstandene Krieg
Vorgeschichte:
neue Verschärfung des Religionsstreites nach Augsburger Religionsfrieden 1555;
1608/09:
Bildung der protest. Union und kath. Liga --> besiegelten Reichsverfall;
Anlaß: Prager Fenstersturz 23.05.1618;
zuerst Böhmischer Aufstand --> Kämpfe zwischen Haus Habsburg und
Böhmischen Ständen --> Krieg innerhalb des Reiches --> große
europäische Auseinandersetzung;
Böhmisch-Pfälzischer Krieg 1618-23:
Krieg um Glauben, Gegenreformation;
Absetzung Kaiser Ferdinand's II. durch böhm. Stände (Verletzung des
Majestätsbriefs);
Wahl Kurfürst Friedrich's V. --> König von Böhmen, Führer der
Kalvinisten;
Ferdinand II.: gewaltsame Rekatholisierungspolitik --> Unterstützung von
Maximillian I. durch Ligaheer (30000 Mann);
Schlacht am Weißen Berg 08.11.1620:
Feldheer Tilly schlägt Friedrich V. (Böhmen) vernichtend vor Prag;
Tilly festigte kaiserlichen Sieg (Wimpfen 06.05.1622,
Höchst 20.06.1622,
Stadtlohn 06.08.1623);
Folgen für Böhmen gravierend: Hälfte des Adels enteignet, gewaltsame
Rekatholisierung --> Protest. verließen Böhmen;
Union's Auflösung in Böhmen;
pfälzische Kurwürde 1623
zurück an Herzog Maximillian I. von Bayern;
Niedersächsisch-Dänischer
Krieg 1625-29:
Krieg um Glauben und Macht;
Liga: verfolgt Truppen nach Norden, will Norden rekatholisieren;
Eingriff Dänemarks (Christian IV.) in den Krieg, fürchtet um Reformation, will
Besitz erweitern;
Albrecht von Wallenstein (böhm. Adliger und General des Kaiser’s): 24000
Mann-Heer an Friedrich II., Generalismus aller kaiserlichen Truppen im Reich;
schlug Protest. Graf Ernst II. zu Mansfeld an Dessauer Elbbrücke (25.04.1626);
Tilly: Sieg über Christian IV. bei Lutter am Barenberge (27.08.1626);
Friede zu Lübeck (22.05.1629):
Wallenstein mit Christian IV., da Norddeutschland u. Jütland besetzt;
siegreiche Kaiser erließ Restitutionsedikt (06.03.1629)
(Rückgabe aller nach 1552
verliehener säkularisierter Kirchengüter an Kirche);
Schwedischer Krieg 1630-35:
Krieg um Glauben und Macht;
Gustav II. Adolf von Schweden Landung auf Usedom (04.07.1630),
da Kaiser an Küste sehr stark geworden;
G. A. Angst vor Gegenreformation, schwedische Ostseeherrschaft bedroht;
Schweden finanziert von Frankreich;
G. A. schlug Tilly bei Breitenfeld (bei Leipzig) 17.09.1631;
1632:
G. A. stieß nach Süden vor, Schlacht bei Rain am Lech: Tilly's Armee
vernichtet, Tilly tot;
Wallenstein: 2. Generalat (unumschränkte Macht), Schlacht bei Lützen (16.11.1632)
unentschieden, G. A. fällt;
W. eigenmächtige Verträge mit Schweden --> Ermordung W.'s in Eger (25.02.1634);
Friede von Prag (30.05.1635)
zw. Kaiser u. Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen;
--> Beitretung fast aller Reichsstände;
Verzichtung der Reichsstände auf ihr Bewaffnungs- u. Bündnisrecht;
kein Frieden --> Ausweitung des Krieges;
Reichskonsens zerfiel schnell;
Französischer Krieg 1635-48:
Krieg um Macht;
Frankreich will Macht Habsburg's einschränken;
F. kath. kämpft auf schwed. protest. Seite;
F. greift in Krieg ein, da Habsburg sehr stark (19.05.1635
Kriegserklärung an Spanien, 18.09.1635
an Kaiser);
Schlacht bei Wittstock (04.10.1636)
Banér (schwed.) schlägt Kaiserliche;
Bernhard von Sachsen-Weimar (03.03.1638)
bei Reinfelden;
Banér's Nachfolger Torstenson siegte bei Breitenfeld (02.11.1642)
und auf Marsch nach Wien bei Jankau (06.03.1645);
Franzosen geschlagen bei Tuttlingen (24.11.1643)
durch bayerische Generäle;
letzten beiden Kriegsjahre Schauplatz: Schweinfurt-Donauwörth;
seit 1644/45
angefangene Verhandlungen zw. Kaiser u. Frankreich/Schweden, Beendigung d.
Krieges: Westfälischer Frieden;
Folgen:
D. K.'s Auswirkung: politisch, wirtschaftlich u. kulturell aufs Heil. Röm.
Reich dt. Nation;
Bevölkerungsverluste: 40% auf Land, 33% in Stadt;
betroffenste Gebiete: Pommern, Mecklenburg, nördl. Brandenburg, Schlesien,
Mittel- u. Süddeutschland (nur 33% überlebten);
--> soziale Umschichtung und starke Veränderungen in Wirtschaftsstruktur
(weniger landwirtschaftliche Anbauflächen, geringerer Viehbestand, Rückgang
von Handel und Gewerbe, Besitzumschichtungen);
Entwicklungen abgeschlossen, deren Beginn weit vor 1618
;
trotz Auflösungserscheinungen, gewisse politische Bedeutung als Reichsverband;
konfessioneller Gegensatz bestätigt und Kalvinismus im Westf. Fr.
staatsrechtlich fixiert;
Macht Habsburg's beschränkt auf: böhm., ungar. u. österr. Staatslande, außer
Kaisertum;
richtete politisches Interesse nach Südosten;
D. K. beendet Zeitalter der Religionskriege;
trug zur Entkonfessionalisierung der Politik bei;
Westfälischer Frieden 24.10.1648:
Resultat der vierjährige Verhandlungen zw. Frkr u. Verbündeten in Münster,
sowie Schweden u. Verbündeten in Osnabrück --> zur Beendigung des D. K.;
bis 1806
Reichsgrundgesetz;
territoriale
Veränderungen:
Frankreich bekam: Metz, Toul, Verdun, Ober- u. Unterelsass, Sundgau, Landvogtei
über 10 elsässische Reichsstädte, Breisach, Pinerolo und Besatzungsrecht auf
Philippsburg;
Schweden bekam: Vorpommern mit Odermündung bis Stettin, Inseln Rügen, Usedom
u. Wollin, Wismar, Erzbistum Bremen u. Bistum Verdun als Reichslehen;
Brandenburg bekam: Hinterpommern, Cammin, Bistümer Halberstadt u. Minden,
Grafschaft Hohenstein u. Anwartschaft auf Erzbistum Magdeburg;
Vereinigten Niederlande u. Schweiz erhielten volle Souveränität;
Metz, Toul u. Verdun Ausscheidung aus Reichsverband;
konfessionelle
Regelung:
Augsburger Religionsfriede (1555)
erneut anerkannt;
auf Kalvinisten ausgedehnt;
Grundsatz cuius regio, eius religio beibehalten jedoch auf 1624
als Normaljahr für Besitzstand geistlicher Güter u. die
Konfessionszugehörigkeit festgesetzt;
Reichsverfassung:
Reichsstädte erhielten volle Landeshoheit und Recht, Bündnisse untereinander
und mit auswärtigen Mächten zu schließen;
Bündnisse durften nicht gegen Kaiser u. Reich sein;
Außenpolitik des Reichsoberhaupts an Zustimmung des Reichstags gebunden;
für Pfalz neue (8.) Kur geschaffen;
Bayern behielt 1623
gewonnene pfälz. Kurwürde;
Ergebnisse des
Dreißigjährigen Krieges:
| Name |
Kriegsziele |
Ergebnisse |
| Kaiser |
Stärkung
der Zentralgewalt |
Schwächung
der Zentralgewalt |
| Fürsten |
Schwächung
der Zentralgewalt |
Stärkung
ihrer Macht, Reich hörte auf zu existieren |
| Haus
Habsburg |
Erhalt
der europ. Vormachtstellung |
Schwächung
ihrer Macht |
| Schweden |
Ausbau
der Stellung im Ostseeraum |
erreicht |
| Union |
Schwächung
der Liga |
gestärkt |
| Liga |
Schwächung
der Union |
geschwächt |
|